Rezension – Ist das okay?

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Ein Kinderfachbuch zur Prävention von sexualisierter Gewalt

Agota Lavoyer / Anna-Lina Balke

Verlag: Mabuse

Auflage: 3

Erscheinungsjahr: 2023

ISBN: 9783863216214

Vielleicht haben Sie schon von dem Buch gehört oder hatten es selbst schon in der Hand? Es ist grade in aller Munde, wird in hoher Auflage verkauft und mancherorts als gutes Präventionsbuch bewertet.

Damit Prävention gelingt, braucht es Kinderbücher, die ansprechend, altersangemessen und zeitgemäß Prävention von sexualisierter Gewalt thematisieren und in denen Mythen und Klischees vermieden werden.

Ein für uns entscheidendes Kriterium ist u.a., dass Prävention Spaß macht und ermutigt, statt Angst zu machen! Gute Prävention versteht die Kunst, komplexe Inhalte und umfangreiches Wissen so zu vermitteln, dass Lösungswege und Ansatzpunkte im eigenen Leben sichtbar werden.

Dieses Kriterium sehen wir in der Publikation nur unzureichend umgesetzt. Das Buch bietet aus unserer Sicht Fragen – statt Antworten. So werden beispielsweise in den Passagen für Eltern Fragestellungen benannt, die Eltern mit ihren Kindern analysieren sollen, was aus Sicht von AMYNA fehlt, sind allerdings die Lösungswege für den Alltag der Familien. Auch die Illustrationen sind auch unserer Sicht nicht geeignet, um Kinder zu ermutigen. Vielmehr wirken sie beängstigend und bedrückend. Die aus unserer Sicht unzureichende Strukturierung des Buches sorgt, da stimmen wir den Einschätzungen von Ursula Enders zu, für eine Überforderung der Zielgruppe. Auch wenn der Anspruch einer Kommunikation mit Kindern auf Augenhöhe einer demokratischen Grundhaltung entspricht, sollten dennoch im Rahmen einer grenzachtenden Präventionsarbeit die Grenzen zwischen den Generationen geachtet werden. Dieser pädagogische Standard wird missachtet, wenn Kinder durch Informationen, die weder ihrem emotionalen, noch ihrem intellektuellen Entwicklungsstand entsprechen, überfordert werden.

Wir stimmen der Autorin zu, wenn Sie schreibt „dass wir Erwachsene uns Wissen über sexualisierte Gewalt an Kindern aneignen und Verantwortung für den Schutz von Kindern übernehmen“ müssen (S.6). Wir halten allerdings die vorliegende Publikation nur bedingt für dieses Ziel geeignet, da sie an einigen Stellen sehr unpräzise Aussagen zum Ausmaß sexueller Gewalt und zu Täterinnen und Tätern trifft. Wichtig wäre der Verweis auf den Kontext, in dem die zitierten Quellen die jeweiligen Einschätzungen erhoben haben.

In genannter Publikation, erschienen im Mabuse-Verlag, wird AMYNA als Unterstützungsangebot genannt. Diese Nennung erfolgte ohne Abstimmung mit AMYNA. AMYNA hat inzwischen den Verlag aufgefordert, die Nennung für zukünftige Auflagen zu unterlassen.

Die Kolleginnen von Zartbitter Köln brachten im Juni 2023 die Diskussion über die Veröffentlichung auf der Präventionsfachtagung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierter Gewalt (DGfPI) in den Fachaustausch ein. Die anwesenden Expert*innen der zahlreichen Fachberatungsstellen aus dem gesamten Bundesgebiet kamen zur Bewertung, dass die Veröffentlichung den fachlichen Standards der heutigen Präventionsarbeit nicht entspricht. Diesen Einschätzungen und auch der Literaturkritik von Ursula Enders von Zartbitter Köln schließen wir uns im Grundsatz an.

Yvonne Oeffling

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