Prävention konkret
Der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt
Prävention konkret ist der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von AMYNA e.V. Verein zur Abschaffung von sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt. Der Podcast diskutiert zentrale Fragen der Prävention sexualisierter Gewalt – fachlich fundiert, verständlich und praxisnah: Wie wird eine Einrichtung zum Schutz- und Kompetenzort? Wie lässt sich Prävention strukturell verankern? Was gehört in ein wirksames Schutzkonzept? Was können erste Schritte sein?
Der Podcast richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Träger und Vereine, die Verantwortung für den Schutz von Kindern und Jugendlichen tragen. Wir vermitteln wichtiges Hintergrundwissen, geben konkrete Tipps für die praktische Umsetzung und sprechen über den Umgang mit typischen Stolpersteinen.
Staffel 1: Schutzkonzepte machen Schule - In einem Jahr zum Schutzkonzept
Schulen müssen Schutz- und Kompetenzorte sein und Prävention sexualisierter Gewalt strukturell verankern. Doch wie kann das gelingen? Viele Schulen haben sich bereits auf den Weg gemacht, beschäftigen sich mit der Prävention von (sexualisierter) Gewalt oder entwickeln bereits ein Schutzkonzept. Gleichzeitig kann der Berg an Informationen, Materialien und Vorlagen schnell überfordern.
Genau hier setzen wir in der ersten Staffel unseres Podcast an: Schritt für Schritt begleiten wir Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogische Fachkräfte auf ihrem Weg zu einem wirksamen Schutzkonzept. Ein Jahr lang greifen wir Monat für Monat einzelne Bausteine auf, vermitteln Hintergrundwissen, geben Praxistipps und zeigen erste mögliche Schritte auf. Was genau ist ein Schutzkonzept? Welche Bausteine sind besonders wichtig? Und wie gelingt die Umsetzung im System Schule – trotz Zeitdruck, Unsicherheiten und bestehender Strukturen?
Hinweise für Multiplikator*innen
Wir freuen uns sehr, wenn Sie in Ihrer Schule auf unseren Podcast aufmerksam machen. Wir haben deswegen Plakate für Sie erstellt, die Sie in Ihrer Schule aushängen können. Die Plakate sind für den Selbstdurck vorgesehen. Sie können in DIN A4 oder DIN A3 ausgedruckt werden. Wir empfehlen hierzu einen Farbdruck.
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Vom Wissen zum Schutz – Das Fundament des Schutzkonzeptes
Weiterführende Informationen:
- Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM) zentrales Portal der Bundesregierung zum Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
- Sexualisierte Gewalt und Schule Fallstudien der Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs
- Was ist los mit Jaron? Digitaler Grundkurs zum Schutz von Schüler*innen vor sexuellem Missbrauch
- ALP-Portal "Sexuelle Gewalt - Prävention und Intervention" Selbstlernkurse der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP)
- Beyond Digital Violence Informationen und Materialien zu mediatisierter sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
Transkript lesen
Yvonne Oeffling:
[0:14] Verstehen, warum Schutzkonzepte relevant sind. Hallo und herzlich willkommen bei Prävention Konkret, dem Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von Amina e.V. Ich bin Yvonne Oeffling und ich hoste den Podcast zusammen mit meiner Kollegin Linda Sachs.
Linda Sachs:
[0:36] In der ersten Staffel mit dem Titel Schutzkonzepte machen Schule in einem Jahr zum Schutzkonzept geht es konkret um die Frage, Wie gelingt Prävention sexualisierter Gewalt in der Schule?
Yvonne Oeffling:
[0:46] Wir begleiten euch Folge für Folge auf eurem Weg zum Schutzkonzept. Danke fürs Einschalten und viel Spaß bei Prävention konkret.
Linda Sachs:
[1:04] Herzlich willkommen zu unserer zweiten Folge mit dem Titel vom Wissen zum Schutz, das Fundament des Schutzkonzepts. In dieser Folge schauen wir uns an, welches Wissen es braucht, um wirksame Schutzkonzepte überhaupt zu gestalten. Wir haben letzte Folge uns ja schon grundlegendes Wissen zu explizit Schutzkonzepten angeschaut und wir haben uns aber trotzdem dafür entschieden, nochmal eine Folge dazu zu machen, weil es wichtig ist, sich hier ein Fundament zu erarbeiten und sich die Spezifika auch dieser Gewaltform anzuschauen. Warum ist das so wichtig und warum machen wir hier nochmal eine Folge dazu?
Yvonne Oeffling:
[1:36] Ja, wegen dem Warum. Also ich glaube, natürlich findet man gute Gründe dafür, warum Schutzkonzepte toll sind und warum es wichtig ist, sich damit zu beschäftigen. Aber ich glaube, dass an ganz vielen Stellen von Bausteinen ein Schutzkonzept, das eine wesentliche Relevanz hat, dass den Menschen, die diese Schutzkonzepte leben sollen, also den Lehrkräften, den Eltern, klar ist, für was und für wen tun wir das eigentlich. Und dass es logisch ist, dass man sagt, ja klar, das hat was mit unserem Alltag zu tun. Und dafür muss ich einfach wissen zum Thema sexualisierte Gewalt, zu Zahlen, zu Daten, zu Strategien von Täterinnen und Tätern. Das sind nicht Wissensbereiche, die man sich total gern aneignet. Und die sind aber elementar, um den Hintergrund zu verstehen, warum Schutzkonzepte relevant sind. Und deswegen glaube ich, ist es ganz wichtig, diese Basis zu legen. Und wir wissen natürlich auch, dass diese Basis eben nicht verpflichtend in den Ausbildungsberuf gelegt wird. Also nicht in der Ausbildung von Lehrkräften, nicht in der Ausbildung von PädagogInnen und deswegen muss dieses Fundament sozusagen erst neu gegossen werden mit Fortbildung, mit Qualifizierung, damit dann ein Schutzkonzept auch auf soliden Beinen steht.
Linda Sachs:
[3:01] Wir hatten ja auch in der letzten Folge schon, dass es eben so wichtig ist, auch zu verstehen, warum diese einzelnen Bausteine existieren und wie sie wirken und um das überhaupt verstehen zu können, muss man ja erstmal gucken, was ist das Themenfeld, mit dem wir uns beschäftigen, was ist diese Gewaltform, wie kommt es dazu, wo kann man da intervenieren, um dann eben auch zu verstehen, warum diese einzelnen Bausteine auch existieren und warum sie sinnvoll sind, auch an der Schule umzusetzen. Du hast es eh schon angeschnitten, aber vielleicht nochmal so als Überblick, was würdest du sagen, sind so die wichtigsten Themenfelder, die man sich da anschauen muss?
Yvonne Oeffling:
[3:31] Naja, also das eine ist tatsächlich einfach nochmal so, von welchen Größenordnungen reden wir eigentlich? Die unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs geht ja mit einer sehr plakativen Zahl immer in ihren Interviews nach außen, wenn sie sagt, es sind ein bis zwei Kinder pro Schulklasse von sexuellem Missbrauch betroffen. Das ist ja eine Zahl, die sich aus einer Hochrechnung der WHO basiert und das finde ich, das muss man erstmal klarkriegen, weil ganz oft ist es ja so, dass man denkt, ja na klar findet sexualisierte Gewalt statt, aber doch nicht bei uns oder ja irgendwo, weiß ich nicht, in einer anderen Schule, in einem Problemviertel oder also das sind ja viele Stigmatisierungen und auch, also da ist ja viel auch dabei, wo man sich überlegt, naja, aber halt.
Yvonne Oeffling:
[4:15] Also ich glaube, es ist wichtig, diese Basisdaten, wie viele Kinder sind betroffen. Ja, das kann auch in unserer Schule sein. Also Basiswissen von Größenordnungen zu wissen und zwar nicht nur die aus dem Helmfeld, also sprich auch eine Einordnung hinzubekommen zu sagen, was sagt mir eine Zahl von der polizeilichen Kriminalstatistik? Was sagt mir denn eine Zahl von so einer sogenannten Dunkelfeldstudie? Also auch ein Verständnis dafür zu bekommen, ah, okay, nicht alles, was an sexualisierter Gewalt passiert, wird auch angezeigt. Deswegen gehen wir davon aus, es gibt ein viel höheres Dunkelfeld. Also solche Verhältnismäßigkeiten zu wissen, finde ich, ist schon elementar, um eine Grundbasis zu bekommen, von welchen, Größenordnungen, Fallzahlen gehen wir aus, um zu erkennen, Moment mal, das hat eine Relevanz für unsere Schule. Weil eben wir davon ausgehen müssen, auch in unserer Schule sind betroffene Kinder, sind Kinder, die sexualisierte Gewalt erlebt haben und für die müssen wir Schutz- und Kompetenzort sind. Deswegen finde ich, sind so Basisinformationen zu zahlen schon und vor allen Dingen der Einordnung der Verhältnismäßigkeit schon wichtig.
Yvonne Oeffling:
[5:27] Das Zweite ist tatsächlich auch nochmal eine Idee zu bekommen und da gibt es hier wirklich Forschung schon seit sehr, sehr langem zum Thema, von welchen Strategien von Täterinnen und Tätern müssen wir denn ausgehen. Im Alltag ist es, finde ich, schon immer noch so, dass dieses Bewusstsein von, das ist nichts, was einfach irgendwie spontan passiert, sondern wir müssen von geplanten, strategisch vorbereiteten Taten ausgehen, schon was, was immer noch für Verwunderung sorgt.
Yvonne Oeffling:
[5:57] Und das klar zu bekommen und diese Strategien zu verstehen, das finde ich ein wichtiger Baustein und eine wichtige Säule, um Schutzkonzepte zu gestalten, weil ich dann wiederum in den Maßnahmen und Bausteinen des Schutzkonzeptes dieses Warum, also warum machen wir Schutzvereinbarungen? Ich finde, da kommt es immer so ganz klar raus, dieser Zusammenhang von Nähe und Distanz und Strategien von Täterinnen und Tätern, weil wir eben aus dem Wissen von Strategien von Täterinnen und Tätern eben schon ableiten können, es geht ganz konkret um diese Bereiche, die, in so Graubereichen liegen, von einem professionellen Umgang und von einem Privatbereich und wo sich Grenzen vielleicht auch verschieben lassen. Und da Klarheiten zu bekommen, Regelungen zu implementieren, helfen eben immer wieder, wie mit so Scherenschnitten, zu versuchen, die Strategien von Täterinnen und Tätern zu durchbrechen. Aber dafür muss ich erstmal ein Grundwissen dafür haben.
Yvonne Oeffling:
[6:57] Was haben wir denn für Informationen daraus? Und das wäre so der zweite, also wirklich so Zahlen, Daten, Basiswissen, dann Strategien von Täterinnen und Tätern, finde ich, das ist der zweite wichtige Baustein, den man so braucht an Infos. Und der dritte wäre auch wirklich nochmal, was wissen wir denn über Missbrauch in Institutionen und dann eben auch tatsächlich auch, was können wir aus Aufarbeitung lernen. Also es ist ja, du hast es in der ersten Folge angesprochen, es gibt ja zum Beispiel auch von der Aufarbeitungskommission diese Fallstudie zum Thema sexuelle Gewalt an Schule. Und ich finde, das ist wichtig, dass Mitarbeitende in Schule auch, ich weiß nicht, ob die alle die ganze Fallstudie, lesen müssen, aber zumindestens in der komprimierten Form so die wichtigsten Erkenntnisse daraus auch nochmal aufbereitet bekommen und auch nochmal vermittelt bekommen, um dann, zu verstehen, also gegen was und für was wollen wir eigentlich ein Schutzkonzept gestalten. Und da müssen wir aus Aufarbeitung lernen und da müssen wir auch daraus lernen zu sagen, was ist vielleicht früher falsch gelaufen oder wo müssen wir besser werden, um sexualisierte Gewalt an der Schule zu verhindern.
Linda Sachs:
[8:07] Voll. Und es gibt ja vor allem bei sexualisierter Gewalt wirklich noch viele Vorurteile, Bilder, Mythen in der Gesellschaft, wahrscheinlich mehr als bei vielen anderen Gewaltformen. Die man auch nochmal prüfen muss und zu gucken, ist das, was ich so bisher mitbekommen eigentlich, wie das auch funktioniert. Und oft sind ja die Zeitungsartikel, die es dann vielleicht gibt, sehr einprägsame, schlagzeilenwürdige Fälle, die aber jetzt nicht die Regel sind. Das Bild zum Beispiel bei digitaler sexualisierter Gewalt von dem erwachsenen Mann, der im Keller sitzt und sich einen Fake-Account macht, sondern dass auch im digitalen Raum zum Beispiel viele Täter und Täterinnen die betroffene Person schon vorher kennen Und das auch da aus dem Umfeld ist und nicht so anonym, wie es oft erscheint. Also genau, da schauen wir ja viel drauf, dass man da nochmal prüft. Was sind Annahmen, die ich schon habe in meinem Kopf und was sagt die Forschung und bisherige Studien dazu?
Yvonne Oeffling:
[8:57] Ja und ich glaube also diese Aneignung von Basisinformationen, das ist schon auch nochmal ein Schritt raus aus der Komfortzone. Also ich glaube schon, dass viele Menschen, die sich nicht so viel mit dem Thema sexualisierte Gewalt beschäftigen, Und manchmal so Haltungen haben von, ja, das ist wirklich schlimm, das ist wirklich tragisch, dass das passiert. Aber Gott sei Dank passiert es nicht bei uns. Und dieser Schritt, diese Aneignung von Informationen und seriösen Informationen zu der Thematik, der hat ja schon auch eine emotionale Komponente, dass viele dann merken, oh shit, das muss ja auch bei uns sein und das muss ja auch bei uns passieren. Und wir erleben das schon manchmal, dass dann viele Lehrkräfte doch total verunsichert werden, dass die erstmal sehr zum Wanken anfangen und sagen.
Yvonne Oeffling:
[9:47] Wie viele Kinder, die ich schon begleitet habe im Laufe meiner beruflichen Laufbahn, haben sexualisierte Gewalt erlebt und ich habe es nicht gemerkt und ich habe ihnen nicht helfen können und ich habe nicht das gemacht. Und ich glaube, dass das für viele auch erstmal schon auch ein schwieriger Prozess ist, anzuerkennen, zu sagen, sexualisierte Gewalt findet in unserer Gesellschaft statt, sexualisierte Gewalt findet in unserer Schule statt. Das heißt, ich muss mir eingestehen, ich kenne Betroffene von sexualisierter Gewalt, auch wenn die keinen Stempel auf der Stirn haben und ich es vielleicht auch nicht erkannt habe. Und ich kenne auch Täterinnen und Täter, auch das gehört zu so einer Wahrheit ja auch dazu. Und dann aber aus diesem Wissen nicht eine Hysterie und Panik zu bekommen und zu sagen, um Gottes willen, was habe ich alles verpasst und wo habe ich überall nicht hingeschaut? Sondern eher eine seriöse Stärke zu entwickeln, zu sagen, okay, das ist doch mal ein richtig krasser Auftrag jetzt, dieses Thema ernst zu nehmen und mich mit meiner Schule auf den Weg zu machen, Schutz zu gestalten. Und das Beste dafür zu geben, dass wir ein sicherer Ort für Kinder und Jugendliche werden, dass wir möglichst schnell Grenzverletzungen erkennen, dass wir dafür einstehen, dass wir einen grenzenachtenden Umgang miteinander haben. Und dafür brauche ich aber so ein Basiswissen, finde ich.
Linda Sachs:
[11:07] Absolut. Und da ist es ja auch wichtig, nochmal auch zwischen unterschiedlichen Formen von sexualisierter Gewalt zu unterscheiden. Du hast gerade eben auch von sexuellem Missbrauch eben gesprochen. Das ist eine Form sexualisierter Gewalt, wo Erwachsene oder deutlich ältere Jugendliche sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen ausüben. Und eine Form, die immer in auch Machtkonstellationen stattfindet oder mit diesen zu tun hat. Aber besonders auch im Kontext Schule spielen ja auch immer wieder sexuelle Grenzüberschreitungen durch Kinder und Jugendliche zum Beispiel eine Rolle, die es mitzudenken gibt. Und grundsätzlich ist es ja auch wichtig, da auch einen breiten Blick haben, wie äußert sich sexualisierte Gewalt. Also es gibt Formen, die gehen ohne Körperkontakt von verbalen Beleidigungen über das Zeigen von Pornografie etc.,
Linda Sachs:
[11:57] Aber auch digitale Formen sexualisierter Gewalt hinzudenken, da natürlich die mit Körperkontakt, die glaube ich am schnellsten in den Kopf kommen. Und dann gibt es natürlich noch kommerzielle und organisierte Formen von sexualisierter Gewalt wie Zwangsprostitution oder auch das Herstellen, den Vertrieb von Missbrauchsdarstellungen. Aber eben den Blick zu weiten, was gibt es alles für Formeln, was kann vorkommen, wie äußert sich das und dass auch die Vorbereitung, die Durchführung und auch das Tun, um das Ganze zu verdecken, eine Aufdeckung zu verhindern, auch dazu zählt. Welche Rolle, würdest du sagen, spielen diese unterschiedlichen Formen konkret im Schutzkonzept, Also tauchen die da auf, worauf Ziels- und Schutzkonzept ab, wie können die da berücksichtigt werden, wo müssen wir vielleicht auch Abstriche machen.
Yvonne Oeffling:
[12:42] Naja, also ich glaube, ein Schutzkonzept in erster Linie dient dazu, sexualisierte Gewalt durch Erwachsene an Schülerinnen und Schüler zu verhindern. Punkt. Ja, und da geht es natürlich um strategisches Wissen oder strategisches Handeln von Täterinnen und Tätern und so weiter und natürlich auch genau diesen Machtgefälle von Erwachsenen zu Kinder und Jugendlichen hin, die sich ja auch gerade im Schulkontext ja durch ganz unterschiedliche Dinge ja auch bedienen, sei das, dass, die Lehrkraft halt die Person ist, die auch Noten vergibt und so weiter und so fort. Und ich glaube, das ist wichtig, dass man das immer so im Blick hat, weil was ich schon erlebe, ist, dass immer versucht wird, mit dem Schutzkonzept, so alle Formen abzudecken und ich glaube, dass es gerade wenn es um Grenzverletzungen durch Kinder und Jugend oder durch Schülerinnen und Schüler, ein Schutzkonzept nicht alle Dinge abdeckt. Also wenn ich zum Beispiel so Maßnahmen im Personalbereich mache, dass Erwachsene polizeiliche Führungszeugnisse.
Yvonne Oeffling:
[13:51] Einordnen oder so, was ja ein klassisches Instrument eines Schutzkonzepts sind, dann hat es letztendlich wenig damit zu tun, ob dadurch jetzt Grenzverletzungen durch Schülerinnen und Schüler an meiner Schule abgedeckt werden. Und da muss ich, glaube ich, eher nochmal andere Maßnahmen erfassen, die zum Beispiel in einem klassischen Schutzkonzept, in dem Baustein, wie wir sie letztes Mal vorgestellt haben von der Kultusministerin in der Konferenz.
Yvonne Oeffling:
[14:17] Gar nicht so verankert sind. Da geht es ja eher nochmal um die Fragen von sexualpädagogisches Konzept und was ist in dem Rahmen unter den Schülerinnen und Schülern in Ordnung und was nicht, wie gehen wir damit um. Das finde ich braucht nochmal andere Antworten, als wenn wir das immer aus der Perspektive Erwachsene, Kinder, Jugendliche angucken.
Linda Sachs:
[14:33] Es ist ja vielleicht eben auch ein Prozess, auch das hatten wir das letzte Mal und grundsätzlich dieses Thema sexualisierte Gewalt an der Schule zu setzen, an der Auseinandersetzung anzustoßen, wirkt die ja in viele Sphären auch rein. Ein Schutzkonzept bietet den Rahmen, um da vor allem sexuellen Missbrauch vorzubeugen oder auch aufdecken zu können und wenn dann der Prozess weiter fortgeschritten ist, kann man da eben auch unterschiedliche Bausteine noch ergänzen, um da Grenzüberschreitungen durch Schülerinnen und Schüler vielleicht auch noch besser abzudecken. Vorhin bist du ja schon auf die Strategien von Täterinnen und Täter eingegangen. Daraus lassen sich ja ganz viele wichtige Punkte für die Prävention ableiten. Also grundsätzlich erstmal das Wissen, dass diese Taten in der Regel gründlich geplant sind und hier strategisch vorgegangen wird, ist wichtig und sich eben anzuschauen, wo kann man da intervenieren, um da auch ein weiteres Fortschreiten eventuell zu verhindern. Ganz grundsätzlich beginnt es ja natürlich immer mit einem Beziehungsaufbau zu dem Kind oder dem Jugendlichen und dann wird in Alltagssituationen ja erstmal geschaut durch leichte Grenzverletzungen, wie wird reagiert, reagiert das Kind, wird was gesagt, sagt das Umfeld gegeben was, wie weit kann ich gehen und dann ja so langsam so Grenzüberschreitungen auch gesteigert
Linda Sachs:
[15:51] Und das höchste Ziel ganz grundsätzlich ist natürlich, dass das nicht aufgedeckt wird, Weil auch Täterinnen und Täter wissen natürlich, dass es strafbar ist, wissen, dass das in der Gesellschaft nicht geduldet wird und da werden viele Maßnahmen ergriffen, angefangen von die Glaubwürdigkeit des Kindes von Anfang an zu untergraben, indem man gegenüber anderen Erwachsenen darüber spricht, dass das Kind irgendwie immer so Geschichten erzählt, die man eh nicht glauben kann oder dass es immer zu einem herkommt und so viel Nähe will und dass einem das eh schon komisch vorkommt oder solche Sachen da einfach die Glaubwürdigkeit zu untergraben. Auch gegenüber dem Kind sozusagen, dass es sich selbst auch immer wieder weniger glaubt. Und dann aber auch das Drohen mit Konsequenzen, wenn darüber gesprochen wird, also dass es nur noch schlechte Noten gibt, dass sie dann durchfallen gegebenenfalls, dass sie Schule verlassen müssen, dass man sagt, dass man was Verbotenes in der Schule dabei hatte. Also je nachdem, was für ein Druckmittel sich finden lässt und dann aber auch so ganz klare Schweigegebote oder auch dem Kind die Mitschuld geben, dass es am Anfang ja nichts gesagt hat, dass es am Anfang das ja auch gut fand und auch so Loyalitätskonflikte da zu erzeugen. Und daraus lassen sich ja ganz konkrete Ansatzpunkte auch für die Prävention ableiten. Kannst du da zusammenfassen, was sind da sozusagen die Schlussfolgerungen draus?
Yvonne Oeffling:
[17:09] Also das Blödste, was man schlussfolgern könnte, wäre jetzt lauter Verbotsschilder aufzubauen. Also ich finde bei dem, was du gesagt hast zu den Strategien von Täterinnen und Tätern, das ist alles richtig und total wichtig und auch wichtig, dass man das als Schulfamilie versteht. Und das löst manchmal auch erstmal einen Schock aus. Und dann gibt es manchmal die Reaktion, dass in der Schutzkonzeptentwicklung überall Verbotsschilder aufgestellt werden, was man das nicht mehr machen darf mit den Schülerinnen und Schülern. Und ich glaube, dass das natürlich bis zu einem gewissen Grad auch richtig ist, sich darüber Gedanken zu machen, was ist in dem professionellen Kontext von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern in Ordnung im Gegensatz zu, bin privat unterwegs. Also wenn ich jetzt das Beispiel Klassenfahrt nehme, dann ist wahrscheinlich die Variante von, wir übernachten in einem anderen Hotel oder so, mein Kind fühlt sich nicht wohl in dem Einzelbett, krabbelt in das Familienbett zusammen, wird, jeder für in Ordnung assistieren. Ein Schüler, eine Schülerin klopft an der Tür der Grundschullehrerin und sagt, ich habe so Heimweh, darf ich bei dir im Bett schlafen, würde jeder sagen, nee, es ist nicht in Ordnung, das zu tun.
Yvonne Oeffling:
[18:23] Und von dem her ist es wichtig, sich natürlich darüber zu unterhalten, was ist in dem professionellen Kontext, Annähe und Distanz in Ordnung, was ist in dem privaten Kontext in Ordnung, wo sind die Unterschiede. Aber das Wissen zu Strategien von Täterinnen und Tätern, finde ich, darf nicht dazu führen, dass wir in so einen kompletten Kontaktverbot gehen.
Yvonne Oeffling:
[18:44] Weil wir brauchen natürlich auch Beziehungsarbeit zu Schülerinnen und Schülern und auch ein vertrauensvolles Zusammensein mit Schülerinnen und Schülern von Lehrkräften, um einen guten Rahmen für Bildung auch zu ermöglichen. Und das passiert nicht, wenn Lehrkräfte WissensvermittlerInnen in Roboter-Manier werden.
Yvonne Oeffling:
[19:08] Und deswegen glaube ich, sind Schutzvereinbarungen auch Ermöglichungsräume. Also zu sagen, bis zu dem Grad ist es völlig in Ordnung, wenn wir auch miteinander in Kontakt sind und das ist auch richtig wichtig. Das braucht aber eine gute Diskussion von, was finden wir fachlich richtig und wichtig und warum. Also ich muss ein Warum erklären können. Warum brauche ich an dieser Stelle die Nähe und das kann ich nicht einfach alleine entscheiden als Fachkraft, sondern im besten Falle diskutiere ich das eben mit meinen Kolleginnen und Kollegen und habe da eine Rückendeckung an der Stelle. Und dann habe ich auch eine Sicherheit wieder. Das gibt mir einen Boden, auf der einen Seite zu wissen, okay, wir versuchen eben dieses Wissen zu Strategien von Täterinnen und Tätern, wir versuchen immer wieder diese Strategien zu durchschneiden, aber auf der anderen Seite zu sagen, wir haben trotzdem eine stabile Basis, die auch Nähe möglich macht, wo wir sie für sinnvoll richtig halten und wo wir aber auch klar definieren, was ist für uns in dem professionellen Rahmen in Ordnung und was nicht.
Linda Sachs:
[20:18] Da sind wir eh schon Richtung Schutzkonzept mit den Schutzvereinbarungen, aber vielleicht auch nochmal im Hinblick auf die anderen Bausteine, die es da so gibt. Grundsätzlich kann man drei unterschiedliche Ansatzpunkte herauskristallisieren, um den Schutz von Kindern grundsätzlich zu verbessern. Das ist ja einmal Täter innen unfreundliche Strukturen an Schulen zu schaffen, dann aber natürlich auch die Kompetenz von Mitarbeitenden erhöhen, was eben zum Beispiel auch den Umgang mit professionellem Nähe-Distanz-Verhältnis angeht, aber auch eben die Partizipation von Kindern ermöglicht und das Berichten über sexuellen Missbrauch und dafür braucht es ja eben auch die Vertrauensbeziehungen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen, wie du es auch schon gerade gesagt hast. Wie werden diese Ansatzpunkte eben nochmal konkret im Schutzkonzept berücksichtigt?
Yvonne Oeffling:
[21:06] Ich würde sagen, die werden so berücksichtigt, dass einmal eben Antworten in den Schutzvereinbarungen, also in diesen konkreten Regelungen zum Thema Näh- und Distanz gebracht werden. Die zweite Antwort findet sich natürlich in diesem Blog Fortbildung und Personal. Also die Kompetenz der Mitarbeitenden zu erhöhen geht nur dadurch, dass ich Personal qualifiziere. Und nachdem, das hatten wir auch schon und ich kann es nur wiederholen, Lehrkräfte, pädagogisches Personal, die haben das nicht automatisch in ihrem Studium gelernt. Und deswegen finde ich, ist dieser Blog von Was wissen wir zum Thema präventionssexualisierter Gewalt in Institutionen, in Schule, ein ganz elementarer, den man wissen muss, um das gut umzusetzen. Also Weiterbildung von Personal. Und der dritte Punkt ist eben auch nochmal bei der Umsetzung, also natürlich Beteiligung, Beschwerde von Kindern, von Schülerinnen und Schülern, ist ein elementarer Teil eines Schutzkonzeptes. Und ich kann das nur immer wieder wiederholen, wenn wir angucken, an welchen Bausteinen oder welche Bausteine sind so die elementarsten für ein Schutzkonzept, würde ich immer sagen, es ist, ein Kernbereich, ist.
Yvonne Oeffling:
[22:26] Die Frage, funktioniert bei euch Beteiligung und Beschwerde? Ich meine, die einfachste Frage, die man sich da stellen kann, ist, kommen Beschwerden bei euch überhaupt an?
Yvonne Oeffling:
[22:36] Wenn nicht, sollte ich mir mal Gedanken über mein Beschwerdesystem machen, weil.
Yvonne Oeffling:
[22:40] Also ich meine, es gibt richtig coole Schulen in diesem Land, aber wir sind alle nicht perfekt und ich glaube, es gibt immer auch Sachen, die man verbessern kann und so. Und wirklich sich immer wieder auch die Frage zu stellen, das finde ich, bei diesen Beteiligungs- und Beschwerde mit dem Blick auf Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt so elementar, sich immer wieder die Frage zu stellen, sind diese Beteiligungs- und Beschwerdestrukturen, die wir haben, dafür geeignet, schwerwiegende Anliegen? Und damit meine ich Grenzverletzungen, sexualisierte Gewalt, aufzudecken, deutlich zu machen, darüber zu reden, Ich glaube, da gibt es Land auf Land ab, echt viel Luft nach oben, diesen Block zu verbessern. Und das ist ein Wesentlicher, um eben genau da anzusetzen, zu sagen, wie können wir aus diesem Wissen von Basisinformationen, Strategien von Täterinnen und Tätern, Wissen aus Aufverwaltungsprozessen, gute Antworten finden, um tragfähige Schutzkonzepte herzustellen.
Linda Sachs:
[23:42] Und diese Täter in den unfreundlichen Strukturen entstehen ja genau durch das Zusammenwirken der unterschiedlichen Bausteine und da spielen ja genau auch sowas wie Leitbild oder auch Öffentlichkeitsarbeit oder auch so Maßnahmen im Personalmanagement wie Führungszeugnisse etc. Eine Rolle, weil sich Täterinnen und Täter ja auch aktiv ein Umfeld suchen, in dem eben weniger gesagt wird, in dem es einen weniger bewussten Umgang gibt, in dem es mehr Spielräume gibt, die sie ausnutzen können etc. Und diese Täter in den unfreundlichen Strukturen darauf genau Schutzkonzepte abziehen, die herzustellen. Vor allem im Kontext Schule ist es ja dann oft schwierig, diese Qualifizierung auch vom Personal vielleicht zu gewährleisten. Sollten wirklich alle so Schulungen machen? Wer muss da wie tief reingehen? Welches Wissen brauchen Eltern auch oder Schülerinnen und Schüler in diesem Prozess? Und wie klappt es da einerseits alle wichtigen Beteiligten damit einzubeziehen, das in den Rahmenbedingungen herzustellen und das Wissen auch dann im Prinzip der ganzen Schulfamilie zugänglich zu machen in einem Rahmen, der irgendwie auch realisierbar ist.
Yvonne Oeffling:
[24:49] Also ich glaube, diese Frage nach, wie kann Wissen der ganzen Schulfamilie zugänglich gemacht werden, da wäre mein Tipp immer zu sagen, orientiert euch an Dingen, die ihr eh tut. Und das heißt, wenn ich Teil der Arbeitsgruppe bin, meiner Schule, die ein Schutzkonzept, erstellen soll, dann würde ich mir immer auch überlegen zu sagen, was sind denn bei uns etablierte Formen, wie wir sowieso miteinander kommunizieren. Also, Haben wir irgendwie ein schwarzes Brett oder so bei uns in der Aula hängen, wo wir eh wichtige Dinge mit Schülerinnen und Schülern, mit Eltern kommunizieren? Dann würde ich sagen, cool, vielleicht gibt es auf dem schwarzen Brett auch, ein kleines Eck, wo wir was zum Thema Schutzkonzept hinschreiben können, wo vielleicht der Verhaltenskodex hängt oder wo wir informieren darüber, wie ist der Prozess.
Yvonne Oeffling:
[25:43] Dann gibt es häufig ja sowas wie Elternbriefe, sei das, ob das jetzt digital über den Schul-Messenger-Dienst geht oder ob das halt so analog per Post über die, Infomappe der Kinder dann zu Hause liegt, ist ja völlig egal. Aber da auch darüber zu informieren. Und es gibt ja mittlerweile auch viele Materialien von, wollen vielleicht auch Eltern, kann ich vielleicht auch einen QR-Code reinsetzen zu der Fachberatungsstelle bei uns um die Ecke, wo ich so Basisinfos bekomme. Oder wenn ich eben auf die Kampagnen der unabhängigen Beauftragten, die Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs verweise und sage, gucken Sie, da kriegen Sie auch Basisinfos. Es gibt mittlerweile wirklich viele auch seriöse Kanäle, über die ich informieren kann. Das kann ich mit Eltern, die über so einen Elternbrief ja auch gut machen.
Yvonne Oeffling:
[26:33] Dann kann ich natürlich in der Schulkonferenz oder in dem Jahresbericht oder in so einer alltäglichen Kommunikation auch immer wieder auf den Prozess aufmerksam machen oder halt deutlich machen, was haben wir denn da getan, auf welche Quellen haben wir uns verwiesen und so weiter. Und das qualifiziert ja letztendlich auch meine gesamte Schulfamilie an vielen Stellen und das finde ich ist auch wichtig, das zu tun. Und ich meine, bei den Schülerinnen und Schülern, das ist immer lustig, weil da fallen Lehrkräfte natürlich als erstes immer was ein, was man da machen kann, ja, nämlich sagen, da macht man dann im Unterricht was dazu. Und das finde ich ist auch gut, aber wie gesagt, als erstes würde ich mal Gedanken machen, wie kriege ich die Infos denn an die Erwachsenen, die auch schützend für die Kinder und Jugendlichen, für die Schülerinnen und Schüler da sein sollen.
Linda Sachs:
[27:17] Und da gibt es ja auch ganz unterschiedliche Formate. Man kann ja auch gucken, ob man mal auf der ersten Lehrerkonferenz eine Stunde das Zeitslot freikriegt und sich vielleicht jemand für einen Vortrag holt, damit man zumindest so ein Startwissen mal mitgibt.
Yvonne Oeffling:
[27:29] Ja, oder ich finde immer, es gibt ja mittlerweile auch von vielen.
Yvonne Oeffling:
[27:35] Lehrerinstituten wirklich entweder Online-Schulungen, Basisinfos oder es gibt E-Learning-Programme von verschiedenen AnbieterInnen, um Basiswissen zu machen. Es gibt von der unabhängigen Beauftragten diese Wasselsus mit Jaron Wissens, Erwerbs, Spiel, Serious Game Plattform. Da gibt es verschiedene Zugangswege, wo ich immer wieder auch darauf verweisen kann und sagen kann, Leute, damit wir hier alle eine gute Basis haben, informiert euch bitte darüber. Ich glaube, wir werden es nicht hinbekommen, dass alle Lehrkräfte und alle Eltern immer das gleiche Basiswissen haben. Aber ich finde, ein Auftrag so einer Steuerungsgruppe Schutzkonzept, wie auch immer wir die nennen wollen oder wie die sich nennen, ist schon immer wieder mal zu checken, zu sagen, haben wir genug institutionelles Grundwissen bei uns, damit wir langfristig das Schutzkonzept gut tragen können. Und wenn ich halt merke, wow, bei uns wechseln echt super viele gerade im Kollegium und so, dann kann das, so wie du das gesagt hast, ein super Anlass sein zu sagen, jetzt holen wir uns mal wieder von extern jemanden und machen nochmal eine Schilf und holen uns nochmal einen Vortrag und dann kann es vielleicht sein, dass im nächsten Jahr, wenn das gerade irgendwie, sehr präsent war, das vielleicht nur ein, zwei, drei neue gibt, die man dann vielleicht auf so ein anderes Format, verweist, auch wenn das vielleicht nicht immer die tollste Lösung ist, aber um halt da so eine gewisse Basis einfach immer nochmal klar zu haben.
Linda Sachs:
[29:03] Jetzt gehen wir da mal davon aus, dass so dieses Basiswissen geschaffen ist bei einem Großteil, zumindest der Erwachsenen, um eben diese täterunfreundlichen Strukturen auch herstellen zu können mit so einem Schutzkonzept, muss man natürlich einerseits Wissen haben über grundsätzlich sexualisierte Gewalt, was ja universell ist, aber sich natürlich auch mit den Bedingungen an der eigenen Schule beschäftigen. Und da spielen natürlich ganz spezifische Fragestellungen mit rein nach der Größe der Schule, dem Schulhaus, den Angeboten, die es gibt, also ob es viele Freizeitfahrten gibt, ob es viele Wahlprogramme nach dem Tag gibt, etc., dem Einzugsgebiet. Aber auch ganz grundsätzlich haben die unterschiedlichen Schulformen dann natürlich totale Charakteristika. Also wenn man sich Grundschulen anschaut, wo ja vor allem nach Klassenleitungsprinzip gearbeitet wird, wo die in einem sehr engen und oft auch vertrauensvollen Verhältnis stehen,
Linda Sachs:
[29:55] Zu den Schüler und Schülerinnen stehen, wo man ja auch total viel von profitieren kann. Aber was natürlich auch Gefahren birgt, dass da gewisse Freiräume auch für einzelne Lehrkräfte entstehen, dass es weniger Austausch gibt über die Handhabung zum Beispiel von Nähe und Distanz und da eben vor allem die Entwicklung auch einer gemeinsamen Haltung besonderen Augenmerk braucht. Und wenn man sich jetzt Mittelschulen zum Beispiel zum anderen anschaut, da kommt ja vor allem immer wieder, dass es eh schon so viele Konflikte gibt, dass man eh so viel zu tun hat, so viel Überforderung da ist, dass da die Frage ist, wie findet man auch Platz, sich grundlegend mit diesem Thema auch zu beschäftigen? Wie können da aktiv auch Räume geschaffen werden? Was würdest du sagen, sind die zentralen, besonders hohen Hürden, die immer wieder kommen von Schulen in der Schutzkonzeptentwicklung und wie kann man die bestenfalls überwinden?
Yvonne Oeffling:
[30:43] Naja, also ich finde eine Hürde oder ein Ding, was man auch nochmal reflektieren muss, und darüber haben wir noch gar nicht gesprochen, ist zu sagen, was wissen wir denn über Risikogruppen? Klar haben alle Kinder das Risiko, sexualisierte Gewalt zu erleben, aber nicht alle Kinder im gleichen Maße. Und wenn ich zum Beispiel Kinder habe, die Beeinträchtigungen haben, von denen wissen wir, sie haben ein vielfach höheres Risiko, sexualisierte Gewalt zu erleben oder andere gibt es auch noch. Also auch mit diesen Spezifikas, glaube ich, muss ich mich auseinandersetzen und dann so ein bisschen auf dieser Folie auch überlegen zu sagen, inwieweit spiegeln sich Risikogruppen in meiner Schulfamilie ab.
Yvonne Oeffling:
[31:24] Und inwieweit muss ich da vielleicht auch nochmal besonders ein Augenmerk drauf werfen, das zu machen. Und dann gibt es eben, so wie du das ja auch schon genannt hast, so Charakteristika von Schulen, von Struktur, die nochmal zu berücksichtigen sind. Also mit welcher Altersspanne arbeite ich? Wie groß ist meine Schule? Wie sieht mein Gebäude aus? Bis hin zu auch, immer wieder stellen wir fest, dass zum Beispiel auch bei anderen Schulformen wie einer Waldorfschule oder so weiter manchmal so ganz andere Formen von Zusammenarbeit und auch Ideen von, wie müssen Entscheidungsprozesse laufen oder nicht laufen, anders sind als bei anderen Schulen. Und all das muss ich ja berücksichtigen, zu sagen, welche Konsequenzen hat es denn auf mein Schutzkonzept? Und was muss ich da vielleicht besonders nochmal beachten? Das finde ich ist nochmal wichtig. Diese schulspezifischen Punkte nochmal anzugucken oder auch zu sagen, gerade wenn es so um Fragen von Krisenleitfaden und so weiter gibt, ist das manchmal total elementar zu gucken, wie sind Anstellungsverhältnisse bei uns an der Schule geregelt. Und wenn ich eine Privatschule bin, wo quasi es einen Träger gibt und alle Lehrkräfte sind dort angestellt, ist das eine ganz andere Rahmenbedingung, als wenn ich zum Beispiel eine Förderschule bin, wo irgendwie ich.
Yvonne Oeffling:
[32:42] Mit der Lehrkräfte habe, die verbeamtet sind, dann vielleicht noch irgendwie SchulbegleiterInnen haben, die überhaupt nicht bei mir angestellt sind, einen Fahrdienst haben, mit dem wir einen Kooperationsvertrag haben. Also wo es so ganz, ganz unterschiedliche PlayerInnen gibt, die ich da mitdenken muss. Und ich glaube, diese Komplexität zu erfassen, wie ist denn das bei uns und wen muss ich denn da mitdenken? Das ist total elementar, diese Aufdrösung erstmal zu machen, um halt zu gucken, wie sieht das dann aus.
Yvonne Oeffling:
[33:12] Das kann mich dann auch mal ein bisschen überfordern, wenn ich dann dieses große Puzzle an Menschen habe. Und dann, glaube ich, ist es, damit es dann wieder pragmatisch wird, ein wichtiger Schritt, mir das aus der Perspektive der verschiedenen Personas anzugucken. Also wenn ich dann so ein ganz komplexes System habe, wie zum Beispiel bei einer Förderschule, wo einfach unterschiedlichste Anstellungsträger und Gruppen zusammenkommen, dass ich mir dann überlege, wenn ich dann fertig bin mit meinem Schutzkonzept, mir zu überlegen, okay, wenn ich jetzt Busfahrerin bin, bei dem Fahrdienst, der vielleicht bei meiner Schule eine Kooperationsverarbeitung hat, die Schülerinnen und Schüler zu fahren, Ja, was muss ich denn da wissen, damit ich einen guten Beitrag zu dem Schutzkonzept leisten kann? Und zum anderen aber auch klar habe zu sagen, welche Haltung soll ich denn mit meinem Beitrag zu dieser Schulfamilie leisten, um den Schutzerketer und Jugendlichen, der Schülerinnen und Schüler sicherzustellen? Und das ist, glaube ich, dann was anderes, was an Wissen von dem Schutzkonzept die BusfahrerInnen brauchen, als die Lehrkraft oder die Zweitlehrkraft, die den Unterricht mitgestaltet.
Linda Sachs:
[34:25] Und wir haben ja vorhin auch schon gehört und du hast verschiedene Ansatzpunkte gesammelt, auf welchen Wegen man auch Wissen zugänglich machen kann, wer auf welchen Wegen vielleicht auch erreicht werden kann. Vielleicht nochmal zusammengefasst. Ich bin eine Lehrkraft und habe jetzt angefangen, dieses Schutzkonzept anzustoßen, wie in der letzten Folge. Ich habe jetzt so Zuständigkeiten geklärt und habe im Idealfall jetzt auch einen Auftrag und so ein geringes Stundenkontingent und überlege jetzt, okay, jetzt muss man das ja irgendwie am besten mit allen Beteiligten zusammen angehen. Und die Basis muss scheinbar so Wissen sein zu sexualisierter Gewalt. Wie mache ich das jetzt?
Yvonne Oeffling:
[35:04] Ja, also ich meine, am einfachsten ist, glaube ich, schon zu sagen, wir als Arbeitsgruppe, Entweder machen wir, weil wir total krass gut sind und super geschult sind, selber einen kurzen Input, auf der Lehrerkonferenz zu diesen Themen Basisinfos, Wissen zu Strategien von Täterinnen und Tätern, Infos zu missbrauchenden Institutionen, spezifisch auf Schule, um so eine Klarheit zu haben und zu sagen, Leute, deswegen machen wir Schutzkonzept. Wenn ich das nicht kann, dann kann ich gucken, suche ich mir eine Referentin, einen Referent, in Klammern seriös, also bitte guckt dabei, greift auf spezialisierte Fachberatungsstellen zurück, greift auf ReferentInnen zurück, die sich auf Grundlagen beziehen. Am besten zum Beispiel, weiß ich nicht, beim Fortbildungsnetz sexualisierte Gewalt, können wir auch nochmal verlinken, nachgucken, um wirklich Menschen auch zu finden, die nicht irgendwie sich mal kurz überlegt haben, dass sie auch was zum Thema sexualisierte Gewalt erzählen können, sondern auch sich seriös und gut damit fortbilden und sich gewissen Qualitätsstandards auch bekennen, die kann ich mir einladen für einen kurzen Input.
Yvonne Oeffling:
[36:14] Und wenn es alles nicht geht, dann kann ich eben zum Beispiel auch sagen, okay, ich suche so ein Online-Fortbildungsformat. Also wir haben schon gesagt, was ist mit Jaron oder es gibt auch andere von anderen AnbieterInnen. Und dann kann ich ja vereinbaren mit meinem Kollegium, okay, pass auf Leute, wir möchten zum Beispiel am, Bayern ist der Bus und Beta immer so ein zentraler Ort, wo Schule konzeptionell arbeiten kann. Ja, könnte ich zum Beispiel sagen, okay, bis dahin, ja, machen bitte alle dieses Online-Schulungsding, damit wir alle mal so eine gemeinsame Basis haben und dann arbeiten wir weiter. Also das wären so die Wege, glaube ich, wie gerade im Bereich der Lehrkräfte solches Wissen funktionieren kann. Und ja, natürlich kann ich dann auch für Eltern, kann ich Elternabende machen, ich kann auch Projekte für Schülerinnen und Schüler gestalten, aber ich glaube, als ersten Schritt würde ich immer erstmal nochmal gucken, wie kann man das Kollegium fit machen, weil sonst ist das halt auch immer so ein bisschen wild, wenn man Schülerinnen und Schüler sensibilisiert zu der Thematik und die dann aber auch auf Lehrkräfte treffen, die, wenig handlungskompetent sind und nicht auf guten Füßen stehen, finde ich das ein schwieriges Signal. Von dem her würde ich immer anfangen mit dem Kollegium und zu sagen, Leute, jetzt machen wir uns mal fit, dann überlegen wir uns, wie holen wir Eltern mit ins Boot, wie schulen wir die auch mit, wie holen die Schülerinnen und Schüler mit ins Boot.
Linda Sachs:
[37:43] Wenn man Wissen Schüler und Schülerinnen vermittelt, ist es ja auch immer damit verknüpft, dass auch Fragen aufkommen, dass Themen aufkommen, dass sich vielleicht auch Schüler oder Schülerinnen anvertrauen. Und da ist es ja auch wichtig, dass Lehrkräfte dann damit auch umgehen können oder darauf vorbereitet sind. Und deswegen würde ich voll zustimmen, dass das auf jeden Fall der erste Schritt sein muss. Wir haben jetzt gesehen, ein Fundament an Wissen zu sexualisierter Gewalt und den Strategien von Täterinnen und Tätern und alles, was damit verknüpft ist, ist die wichtigste Basis eigentlich, um ein wirksames Schutzkonzept auch entwickeln zu können. Und es ist eben wichtig, dass das nicht nur die Hauptverantwortliche hat, sondern damit das Schutzkonzept dann umgesetzt werden kann, dass alle eine grundlegende Basis an Wissen haben. Und am wichtigsten ist es, dass man denkbar bekommt, dass sexualisierte Gewalt und sexuellen Missbrauch an der eigenen Schule und im eigenen Umfeld und auch durch Kollegen und Kolleginnen potenziell passieren kann. Auch wenn das manchmal schwer ertragbar ist, aber nur was man denkbar bekommt, kann man auch wahrnehmen und deswegen muss man darüber auch in den Austausch kommen. Wie immer zum Abschluss noch, welche drei besten Praxistipps kannst du für diesen Blog jetzt den Zuhörenden noch mitgeben?
Yvonne Oeffling:
[38:56] Ich fange mal mit der schlechten Nachricht zum Schluss an. Und zwar wäre mein erster Punkt zu sagen, Schutzkonzepte sind keine statischen Prozesse und nur weil die einmal implementiert sind, heißt das nicht, dass die für immer so gelten. Und von dem her glaube ich, dass es wichtig ist, das zu verstehen, dass es ein Prozess ist und Prozess heißt, nicht nur implementieren, sondern auch immer wieder kontrollieren. Das ist ein wichtiger Block. Und der dritte Block wäre oder die dritte Empfehlung wäre zu sagen, mutig zu sein, dass auch kleine Schritte zum Erfolg führen. Also, wenn ich das schon mal geschafft habe, dass ich vereinbart habe, dass mein ganzes Kollegium irgendwie so Basisinfos drin hat, dann habe ich echt krass schon einen großen Schritt irgendwie hinbekommen, und vielleicht ist der Schritt manchmal auch noch kleiner, dass ich das Plakat ins Lehrerzimmer gehängt habe, schon mal ein Drittel davon den gescannt hat und den Kurs gemacht hat, ist auch schon echt ein guter Schritt. Also auch kleine Schritte führen zum Erfolg, das finde ich ist wichtig und die braucht's damit Schutzkonzepte, erfolgreich umgesetzt werden können, das beginnt mit dem ersten Schritt und von dem her würde ich immer sagen, mutig sein, losgehen, das ist richtig gut, dann passiert was und sich da auch nicht entmutigen lassen, wenn es manchmal schwer wird oder langwierig oder, man so das Gefühl hat, es müsste eigentlich noch mehr Nee, es ist schon richtig gut, dass man einen Schritt gegangen ist.
Linda Sachs:
[40:26] Apropos Schritte gehen, auch ihr seid heute den ersten Schritt oder den zweiten Minischritt gegangen, indem ihr schon mal euch die Basics mit diesem Podcast angeeignet habt. Empfehlt ihn gerne den Kollegen und Kolleginnen weiter, wenn die auch einen Einblick haben wollen. Wir haben jetzt in den letzten beiden Folgen eben das grundlegende Wissen aufgezeigt, was wichtig ist und starten im November dann mit dem ersten konkreten Baustein. Da geht es um das Leitbild, Verhaltenskodex und Satzung, welche Rolle die im Schutzkonzept spielen, wie sie wirken und was auch bei der Umsetzung zu beachten ist. Wir freuen uns bis zum nächsten Mal.
Yvonne Oeffling:
[41:01] Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Linda Sachs:
[41:06] Vielen Dank an alle, die bis hierhin zugehört haben und sich auf den Weg machen, Prävention an ihrer Schule voranzutreiben.
Yvonne Oeffling:
[41:12] Wenn es euch gefallen hat, dann abonniert uns gerne, lasst uns eine Bewertung da und schreibt uns euer Feedback direkt an projekte-at-amina.de. Infos und Links findet ihr in den Shownotes oder auf unserer Homepage www.amina.de.
Linda Sachs:
[41:27] Das war Prävention Konkret, der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von Amina e.V.
Bevor es losgeht: Schutzkonzepte verstehen
Weiterführende Informationen:
- Schule gegen sexuelle Gewalt Fachportal für Schutzkonzepte der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM)
- Kinderschutz in der Schule - Leitfaden der Kultusministerkonferenz Leitfaden zur Entwicklung und praktischen Umsetzung von Schutzkonzepten und Maßnahmen gegen sexuelle Gewalt an Schulen
- Monitoring zum Stand der Prävention sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche an Schulen in Deutschland. Welle III (2023) Studie durchgeführt vom Deutschen Jugendinstitut e.V. mit Förderung der UBSKM
Transkript lesen
Yvonne Oeffling:
[0:06] Erstmal Fans gewinnen. Also sucht euch Menschen, die auch sagen: Hurra, ein Schutzkonzept für unsere Schule ist eine Bombenidee. Jetzt ist die richtige Zeit, um euer Schutzkonzept an eurer Schule zu starten.
Yvonne Oeffling:
[0:24] Hallo und herzlich willkommen bei Prävention Konkret, dem Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von Amyna e.V. Ich bin Yvonne Oeffling und ich hoste den Podcast zusammen mit meiner Kollegin Linda Sachs.
Linda Sachs:
[0:38] In der ersten Staffel mit dem Titel Schutzkonzepte machen Schule in einem Jahr zum Schutzkonzept geht es konkret um die Frage, wie gelingt Prävention sexualisierter Gewalt in der Schule.
Yvonne Oeffling:
[0:48] Wir begleiten euch Folge für Folge auf eurem Weg zum Schutzkonzept. Danke fürs Einschalten und viel Spaß bei Prävention konkret.
Linda Sachs:
[1:20] Herzlich willkommen an alle zu unserer allerersten Folge mit dem Titel Bevor es losgeht, Schutzkonzepte verstehen. Wir legen heute die Basis für die Schutzkonzeptentwicklung an euren Schulen. Was müsst ihr wissen, bevor ihr startet? Was sind Schutzkonzepte eigentlich? Wie beginnt man so einen Prozess und welche Tipps haben wir hier für euch? Damit gehen wir auch heute rein ins Thema. Yvonne, was sagst du, warum dreht sich unsere erste Staffel um Schutzkonzepte an Schulen? Welche Verantwortung haben Schulen beim Kinderschutz und warum sind sie zentrale Orte der Prävention?
Yvonne Oeffling:
[1:51] Naja, also die schnelle Antwort ist, weil es einfach eine Schulpflicht in Deutschland gibt und alle Kinder und Jugendlichen irgendwie in Schule gehen und dort natürlich auch erreicht werden. Und deswegen ist die Schule ein idealer Ort, um auch Schutz zu gestalten. Und ich finde es wichtig, dass Schulen Schutz- und Kompetenzorte sind für Kinder und Jugendliche, weil damit Lernen auch gut funktioniert. Ist es ja wichtig, dass Kinder und Jugendliche auch eine sichere Atmosphäre haben. Und deswegen, finde ich, braucht jede Schule ein Schutzkonzept, damit dieser Rahmen auch gut gewährleistet ist. Und die Kinder haben ja auch ein Recht darauf, wenn man in die UN-Kinderrechtskonvention zum Beispiel schaut, dass sie Bildung erfahren und so weiter. Und das kann ich natürlich nur verwirklichen, wenn ich mich in dem Ort, wo ich auch lernen soll, wohlfühle. Und da sind Schutzkonzepte einfach ein wichtiger Rahmen, die dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche und Schülerinnen und Schüler das auch sind in der Schule.
Linda Sachs:
[2:47] Aber man würde ja vielleicht denken, als allererstes, den Rahmen im Unterricht steckt ja die Lehrkraft. Was ist eigentlich so ein Schutzkonzept? Wie wirkt es? Warum braucht man auch so einen strukturellen Rahmen für die ganze Schule? Was können Schutzkonzepte da für einen Rahmen auch stecken?
Yvonne Oeffling:
[3:00] Naja, also Schutzkonzepte sind alle Maßnahmen und Konzepte, die in der Einrichtung verankert werden, um den Schutz der Schülerinnen und Schüler letztendlich zu verankern. Und das heißt, sie sind eine Antwort darauf von, was wissen wir aus Aufarbeitungsprozessen, was wissen wir über Strategien von Täterinnen und Täter und sie sollen dazu beitragen, letztendlich sexualisierte Gewalt in einer Institution zu erschweren. Und das ist grundsätzlich nicht nur eine Frage im 1 zu 1 der einzelnen Lehrkraft, sondern es ist eine institutionelle Frage. Und deswegen muss auch die ganze Institution, also die ganze Schulfamilie an sich mitarbeiten, zu sagen, was können wir machen, damit alle Schülerinnen und Schüler bei uns gut lernen können.
Linda Sachs:
[3:43] Das sieht man ja auch daran, dass Schutzkonzepte oft auch als Schutzprozesse bezeichnet werden, dass das auch ein Organisationsentwicklungsprozess ist, wo alle auch mit im Boot sein müssen. Und es hat ja zum Beispiel auch die Fallstudie Sexualisierte Gewalt und Schule gezeigt, dass auch viele Betroffene ganz explizit verpflichtende Schutzkonzepte auch für Schulen fordern und da sozusagen einen festen, auch verpflichtenden Rahmen an Schulen, wo Maßnahmen verankert sind, die einen Rahmen auch für alle Mitarbeitenden stecken. Und vor allem wurde hier auch benannt, dass das öffentliche Sprechen über sexualisierte Gewalt und das passiert ja eben in diesem Prozess, dass man sich da auch anfängt damit auseinanderzusetzen und dass das der wichtigste Mitbestandteil ist, da überhaupt Auseinandersetzung auch an der Schule voranzutreiben. Es gibt seit 2016 bereits das Fachportal der Initiative Schule gegen sexuelle Gewalt von der UBSKM, wo es viele Hilfestellungen und Informationen für Schulen gibt, die Schutzkonzepte entwickeln wollen. Trotzdem ist an vielen Schulen noch kein festes komplettes Schutzkonzept entwickelt worden. Es gibt viele Bausteine. Man sieht, dass da sich viel tut in den letzten Jahren, dass da viele Schulen sich auf den Weg machen. Also ein deutlich positiver Trend, aber da ist auf jeden Fall der Weg noch nicht begangen. Wie sieht es mit so gesetzlichen Vorgaben eigentlich aus? Gibt es da welche? Wie sehen die aus? Was müssen Schulen denn auch tatsächlich tun?
Yvonne Oeffling:
[5:00] Naja, also Bildung ist letztendlich Ländersache und deswegen ist es ein ganz unterschiedliches Bild, was sich in Deutschland, ein Bild, was sich bildet, ein Bild, was sich gestaltet, genau. Also je nachdem, welches Bundesland man blickt, hat man einfach unterschiedliche Rahmenbedingungen. Und es gibt von Seiten der KultusministerInnenkonferenz von 2023 empfohlene Standards, die sich auch beziehen auf diese Initiative Schule gegen sexuelle Gewalt, die so nochmal die zentralen Bausteine eines Schutzkonzepts für Schulen definieren. Aber die Verpflichtung ist ganz unterschiedlich in den Schulgesetzen der jeweiligen Länder geregelt. Und in Bayern ist es zum Beispiel so, da gibt es keine spezifische Verpflichtung des Kultusministeriums, aber es gibt sozusagen eine Empfehlung. Also es gibt eine Empfehlung, dass natürlich auch die Ministerialbeauftragten sagen, liebe Schulen, bitte macht euch auf den Weg und es gibt auch verschiedene Materialien, die dafür bereitgestellt werden, aber es gibt kein verpflichtendes Schulgesetz und das ist in anderen Bundesländern an manchen Stellen einfach anders geregelt.
Linda Sachs:
[6:07] Da gibt es ja, glaube ich, auch zumindest die Basic-Infos auch für die Bundesländer auf dem Fachportal nochmal aufbereitet, wo man ein bisschen gucken kann, was gilt für die einzelnen Bundesländer und das dann nochmal nachschauen kann. Nichtsdestotrotz kann ja auch so eine gesetzliche Vorgabe tendenziell kommen. Also es ist ja nicht so, dass sie gerade zurückgezogen werden, sondern eher, dass immer mehr erkannt wird, wie wichtig Schulen für den Kinderschutz sind und sich da schon mal auf den Weg zu machen, ist auf jeden Fall ein richtiger Schritt.
Yvonne Oeffling:
[6:32] Ja, das ist so ein bisschen wie die Frage, wie entsteht ein Kuchen. Also den Teig kann ich ja schon rühren, auch wenn vielleicht die finale Form noch nicht in Stein gegossen ist. Dann so ein Hefeteig dauert ja auch so ein bisschen, bis der dann backbereit ist. Von dem her würde ich sagen, können alle schon mal starten, egal wie in ihrem Bundesland die rechtliche Verpflichtung im Moment aussieht.
Linda Sachs:
[6:58] Absolut. Du hast schon gesagt, es gibt verschiedene Empfehlungen für wichtige Bausteine von so einem Schutzkonzept. Was umfasst sich so ein Schutzkonzept? Das ist ja eigentlich eben wie so ein Puzzle verschiedener Maßnahmen, wo eben Einzelne an vielen Schulen auch schon vorhanden sind, wo man vieles anknüpfen kann. Aber wichtig ist ja vor allem das Zusammenwirken der Maßnahmen, weil es wie bei einem Puzzle sich auch erst durch alle Puzzleteile ein Bild ergibt und so wirksamer Schutz erst hergestellt wird. Was gehört da auf jeden Fall dazu?
Yvonne Oeffling:
[7:25] Ja, genau. Also ich glaube, die erste Problematik, die man klären muss, ist, dass wenn ich jetzt den Begriff Schutzkonzept google, das ist so ungefähr effizient, wie wenn ich den Begriff Nudelsalat google, dann bekomme ich ganz verschiedene Auflistungen, weil das kein in sich geschützter Begriff ist, der eine ganz klare Definition hat. Und ich würde jetzt mal sagen, wenn wir jetzt mal uns orientieren an dem, was bei Schule gegen sexuelle Gewalt steht oder bei dem, was auch letztendlich dann in den Empfehlungen der KultusministerInnenkonferenz steht, dann gibt es so zentrale Bausteine, auf die man sich einigen kann. Mir ist dabei wichtig nochmal, egal was für eine Überschrift darüber steht, dass wenn Schulen sich auf den Weg machen zu gucken, welche Bausteine müssen wir denn bei uns abarbeiten, dass sie auch nach dem Warum fragen. Also wozu dient denn jetzt dieser Baustein? Weil wie ich eben schon gesagt habe, letztendlich sind die ja nicht aus der Luft gegriffen und jetzt hat man sich mal irgendwie überlegt, dass das gut wäre, sondern im besten Fall ist, es sind diese Bündelung von Maßnahmen, die in einem Schutzkonzept zusammenkommen, ja Antworten auf, was wissen die aus Ausarbeitungsprozessen, was wissen wir von Strategien von Täterinnen und Tätern, was wissen wir über sexualisierte Gewalt in Institutionen. Und deswegen finde ich, ist es wichtig, sich nicht so an den Überschriften nur ranzuhangeln, sondern sich vor allen Dingen zu überlegen, was möchte ich denn mit dieser Maßnahme, mit diesem Paket erreichen?
Yvonne Oeffling:
[8:53] Und so zentrale Bausteine sind zum Beispiel das, was zum Kinderschutz im Leitbild verankert ist. Das ist ja was, was grundsätzlich in Institutionen nach außen wirken soll, zu sagen, wir bekennen uns, haben da einen klaren Standard an der Stelle, ist auch eine Orientierung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit welcher Haltung wollen wir eigentlich zusammenarbeiten.
Yvonne Oeffling:
[9:14] Das zweite wäre, was zum Thema Personalverantwortung, also ich sage mal Stichwort erweiterte Führungszeugnisse, werden die von allen Erwachsenen, die mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt sind, eingefordert? Welche Rahmenbedingungen haben wir denn da auf diesen Ebenen geschaffen? Wie arbeiten wir auch neues Personal ein? So ein Schutzkonzept muss ja auch mitgetragen werden. Das finde ich ist auch nochmal ein wichtiger Aspekt.
Yvonne Oeffling:
[9:37] Dann geht es um das Thema Fortbildung. Also das heißt, werden die Lehrkräfte, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Schule ausreichend darin qualifiziert, Basisinfos zu haben zum Thema, was ist eigentlich sexualisierte Gewalt, was sind Strategien von Täterinnen und Tätern. Das sind Dinge, die nicht im Studium bis heute, also vielleicht erinnert sich das ja noch ein Ball, aber im Moment Status Quo nicht automatisch verankert sind und deswegen ist es wichtig. Dass Lehrkräfte dazu und auch andere Mitarbeitende in Schule dazu Basiswissen haben, damit sie dieses Warum eines Schutzkonzepts gut verstehen und das auch gut mittragen können. Deswegen ist Fortbildung an der Stelle wichtig. Schutzvereinbarungen, also so ganz konkrete Handlungsorientierungen. Was machen wir eigentlich in Situationen der besonderen Nähe, die wir mit Schülerinnen und Schülern haben? Wie gehen wir da um? Das finde ich ist ein ganz zentraler Aspekt von Haltungsentwicklung, auch an einer Schule miteinander auszudiskutieren, was finden wir da okay, was finden wir da nicht in Ordnung und da auch sich die verschiedenen Facetten anzugucken. Gibt es Orte, für die wir bestimmte Regelungen brauchen?
Yvonne Oeffling:
[10:51] Wie gehen wir mit dem digitalen Raum um? Sind wir mit unseren Schülerinnen und Schülern aus Social Media befreundet oder was auch immer? Also da auch eine gemeinsame, klare Haltung zu haben, das finde ich, ist eine total wichtige Geschichte. Dann natürlich Beteiligung und Beschwerde. Das sind, wenn man sich gerade auch aus der Geschichte der Aufarbeitungsprozesse anguckt, einfach zwei ganz zentrale Dinge. Wir müssen frühzeitig Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, mit ihren Anliegen zu den Erwachsenen Kanäle zu den Erwachsenen zu finden, damit auch tatsächlich Gewalt frühzeitig beendet werden kann. Und mir ist dabei wichtig, dass bei diesen Beteiligungs- und Beschwerdestrukturen auch im Sinne der Prävention sexueller Gewalt hinterfragt wird, sind die denn überhaupt tragfähig, um schwerwiegende Anliegen vorzunehmen. Weil ganz oft sagen dann Schulen, ja, wir haben ja KlassensprecherInnen oder wir haben irgendwie einen Klassenrat oder wir haben, von mir ist auch eine Schulversammlung und so. Und dann muss man sich schon ernsthaft die Frage stellen, sind diese Gremien und diese Möglichkeiten von Beteiligung und Beschwerde denn auch wirklich geeignet dafür, sehr schwerwiegende Anliegen vorzubringen? Wenn eine Lehrkraft übergriffig tätig geworden ist, würde ich das in der Schulversammlung sagen, wahrscheinlich eher nicht. Und dann müsste ich halt gucken, was sind dann Wege, um solche Anliegen auch vorbringen zu können.
Yvonne Oeffling:
[12:14] Um die Zusammenarbeit mit den Eltern natürlich auch. Es geht auch darum, letztendlich zu überlegen, wer sind unsere KooperationspartnerInnen? Also gibt es in unserer Region spezialisierte Fachberatungsstellen, die mir helfen können, ja im Falle der Intervention, also wenn Verlachtsfälle aufkommen, aber vielleicht auch manchmal sogar schon in präventiven Angeboten, entweder für die Schulung der Lehrkräfte oder für Angebote, die sich direkt an die Kinder und Jugendlichen wenden. Und das, finde ich, sind so die wichtigsten Elemente Der Punkt ist, Schutzkonzepte, du hast es schon angesprochen, sind ja eher so Schutzprozesse an der Stelle, auch von dem her ist.
Yvonne Oeffling:
[12:51] Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit ganz wichtig, nämlich einmal mit dem Aspekt zu sagen, nicht nur super Sachen sich zu überlegen, sondern das auch letztendlich dann schriftlich zu verankern und zwar so, dass es auch eine andere Lehrkraft vielleicht wiederfindet. Und auch nochmal, wenn ich so nach zwei, drei Jahren da nochmal drauf gucke, zu gucken, müssen wir noch was verändern? Ist das noch alles richtig? Das finde ich ist auch ein ganz wichtiger Teil, der in so einem Schutzkonzeptprozess auch mitgedacht werden muss. Weil letztendlich geht es darum, dass das nicht ein Papier ist, was irgendwo in der Schublade liegt, sondern im besten Fall ist es schon so, dass man sagen muss, so ein Schutzkonzept ist nur so gut, wie die Leute, die es auch umsetzen. Und das bringt nichts, wenn ich da tolle Bestimmungen reinschreibe, die dann irgendwo in der Schublade liegen, sondern so ein grenzenachtender Umgang mit Schülerinnen und Schülern, der passiert auch nur dann, wenn Lehrkräfte sich ernsthaft auch mit der Thematik auseinandersetzen und wirklich auch konkret überlegen, was bedeutet das für meinen Alltag mit den Schülerinnen und Schülern.
Linda Sachs:
[13:51] Du hast es ja eh schon gesagt und das ist ja auch ein ganz wichtiger Punkt in allen Fortbildungen, die wir zu dem Thema machen, ist Prävention als Haltungsfrage zu thematisieren und die Haltung wirklich als essentiellen Bestandteil dieser Entwicklung. Den ein oder anderen fällt es vielleicht leichter, mal so schnell ein Konzept runterzuschreiben und dann kann man sich das vielleicht auch aushängen und einen Haken machen an diese Aufgabe. Aber das bringt ja eben überhaupt nichts, wenn nicht auch eben verstanden wird, was das bedeutet, warum diese Bausteine da drinstehen, was für eine Aufgabe und Verantwortung Lehrkräfte haben und was das irgendwie auch für den Arbeitsalltag, für den Schulalltag bedeutet, da auch mit reinzubringen. Weil sich das ja oft nicht eben an einzelnen Workshops, die man einmal im Jahr für alle Klassen anbietet, manifestiert, sondern vor allem an den Kleinigkeiten in den einzelnen Unterrichtsstunden, in den Pausen, in den Begegnungen, in den Beziehungen von Lehrkräften und Schülerinnen. Wenn man so den Schritt Richtung Schutzkonzept geht, wir haben jetzt einen Überblick über diese ganzen Bausteine bekommen, oft wird gesagt, okay, erstmal eine Risikopotentialanalyse. Das klingt jetzt erstmal sehr groß und sperrig vielleicht oder sachlich. Was bedeutet das? Warum ist das wichtig? Aber was ist da in der Praxis auch zu beachten, damit man da auch nicht in den Wald reinkommt?
Yvonne Oeffling:
[15:04] Ja, genau. Also ich glaube, das ist eine zentral wichtige Frage von was muss ich machen, damit ich nicht in den Wald komme. Letztendlich ist so eine Risiko- und Potenzialanalyse aus meiner Sicht eine Status-Quo-Bestimmung. Also einfach mal den Ist-Stand zu erfassen. Und meine Empfehlung zum Vorgehen ist immer zu sagen, nehmt euch mal einen leeren Ordner, macht euch Registerblätter. Das kann man auch digital machen, wenn man nicht analog unterwegs sein will. Und dann schreibt man auf jedes Registerblatt mal einen Baustein. Und dann sammelt mal in eurer Schule zusammen, was ihr da schon für die einzelnen Bereiche schon alles habt. Und das ist letztendlich der Schritt der Potenzialanalyse, zu gucken, hey, was haben wir denn schon alles? Und da gibt es total viele, die irgendwie sagen, ah, ja, wir machen irgendwie noch gar nichts zum Thema Prävention sexueller Gewalt und dann kommen die und sagen, naja, aber wir machen da irgendwie...
Yvonne Oeffling:
[15:58] Eigentlich jedes Jahr auch Trainingsprogramme für Aufschaut oder so, also von der Polizei. Es gibt ja unglaublich viele Präventionsprogramme, die jetzt nicht spezifisch das Label haben, sexualisierte Gewalt, die vielleicht auch nicht spezifisch das Label haben, Schutzkonzept, aber die letztendlich schon auch in die Richtung grenzenachtender Umgang wirken und so weiter. Und wo man sagen kann, naja, was können wir denn für diesen Bereichen übertragen? Und das würde ich immer mal empfehlen zu sammeln, von was haben wir denn da schon für Dinge, die wir gemacht haben. Das ist das eine, das ist so. Und das Zweite ist dann schon auch natürlich zu gucken, zu sagen, was brennt uns denn, das wäre die Risikoanalyse, was brennt uns denn besonders unter den Nägeln? Was sind denn Dinge, die gerade in unserem Schulalltag uns immer wieder Probleme bereiten? Das können Orte sein, die irgendwie uns stressen.
Yvonne Oeffling:
[16:47] Das können Veranstaltungen sein, wie, keine Ahnung, wenn wir in Schulandheim fahren, dann haben wir immer wieder die Frage, wie machen wir das eigentlich, wenn ein Kind Heimweh hat? Und das kann auch sein, dass je nach Schulart und das ganz unterschiedliche Dinge sind, die einen da beschäftigen. Das kann sein, dass die Förderschul-Lehrkräfte sagen, Moment, bei uns ist das Thema Assistenz und wie begleiten wir Kinder auch bei sehr körpernahen Unterstützungen ein ganz anderes Thema ist als in der weiterführenden Schule. Da geht es vielleicht eher um die Frage von, wie verhalten wir uns auf Abschlussfahrt? Sitzen wir mit den Kids abends noch in der Knappe? Ja, nein. Und das finden wir da in Ordnung fast nicht. Es können andere Themen nochmal sein. Und das finde ich, muss man so ein bisschen herausarbeiten. Und ich finde, du hast es schon gesagt, man kann sich da ein bisschen verlaufen. Also ich kenne schon Empfehlungen, die dann echt sagen und dann müssen alle Schülerinnen und Schüler interviewt werden und alle Lehrkräfte und alle Eltern und so. Und je nachdem, wie groß so eine Schule ist, ist das halt echt ein Mammutwerk. Da bin ich dann schon mit einem Jahr Risikopotenzialanalyse beschäftigt, wenn ich irgendwie tausend Schülerinnen und Schüler habe, mit denen ich dann eine riesen Befragung machen soll. Und ich finde, es geht eher... Um so eine Status Quo Abfrage im ersten Schritt, um eine Orientierung dann auch zu bekommen. Da kommen wir in den anderen Folgen auch nochmal drauf von, wie kriege ich so ein Projektplan hin und so.
Yvonne Oeffling:
[18:06] Und das, glaube ich, geht auch mit anderen Mitteln. Also da kann ich, glaube ich, auch einfach irgendwie, weiß ich nicht, eine Pinnwand ins Lehrerzimmer heften und sagen, Leute, was sind denn die großen Baustellen, die euch echt unter den Nägeln brennen? Könnt ihr uns da mal Beispiele hinschreiben? Wir sind euer Präventionsteam. Wir brauchen das als Orientierung oder vielleicht eine Abfrage zu machen in der Konferenz oder bei den SchülersprecherInnen nachzufragen und so, um einfach so mal so eine Pi mal Daumen, Geschichte zu kriegen, zu sagen, was sind denn so die Sachen, die so die ganze Schulfamilie einfach als große Baustellen sehen.
Yvonne Oeffling:
[18:39] In die Details und ich denke mir immer, umso weiter man in so eine Entwicklung von so einem Schutzkonzept reingeht, umso detailreicher werden die Fragestellungen und das ist auch in Ordnung, dass das auch Teil des Prozesses geht. Aber ich glaube, wenn man am Anfang, man muss da einsteigen, um so die großen Brocken zu kriegen, aber wenn man da zu tief einsteigt und, sich im Detail verliert, besteht da schon noch ein bisschen die Gefahr, dass danach einfach das so Mount Everest-mäßig wirkt, was man da so an Sachen machen muss. Und dann scheitert man vielleicht schon an diesem Riesenbrocken. Und von dem her wäre, meine Empfehlung schon, Mal hingucken, um einen Überblick zu bekommen. Aber es reicht, wenn man erkennt, dass der Berg hoch ist. Man muss nicht schon die bis ins genaue Detail rausbekommen haben, wie hoch er ist. Und dann ist es gut, loszugehen. Und dann kann man so in den jeweiligen Basiscamps dann immer nochmal so eine Standortbestimmung machen und sagen, okay, vielleicht müssen wir nochmal Umweg gehen, weil wir haben noch drei Schritte vergessen oder so. Aber das ist Teil des Prozesses dann.
Linda Sachs:
[19:46] Total. Und es ist ja oft so, dass es auch nicht endlos Ressourcen zur Verfügung stehen. Und wenn man die schon am Anfang irgendwie dahin verpulvert und dann denkt, okay, wie sollen wir das jetzt eigentlich alles noch machen? Also lieber gucken, dass man auch eben, wie du sagst, ins Tun kommt und da Schritt für Schritt das angeht. Es werden so, dass so viele Fragen aufkommen, wenn man in die einzelnen Bausteine reingeht und denen kann man dann auch zu der jeweiligen Zeit nachgehen. Aber nochmal einen Schritt zurück. Mal angenommen, ich bin jetzt eben eine Lehrkraft. Ich möchte ein Schutzkonzept an meiner Schule anstoßen. Was sind so Rahmenbedingungen, die ich brauche, die man vor Ort schaffen muss, damit das wirklich auch klappt?
Yvonne Oeffling:
[20:18] Also ich glaube, ein wichtiges Teil ist, dass einem klar wird, so eine Entwicklung von einem Schutzkonzept, die passiert nicht nebenbei. Also das ist kein freiwilliges Nice-to-have, sondern letztendlich ist aus meiner Sicht die Entwicklung eines Schutzkonzepts Teil der Schulentwicklung. Und von dem her finde ich, ist es wichtig, dass wir uns klar machen oder dass wir vorher, auch wenn wir total engagiert sind, sagen, juchu, ich bin jetzt diejenige, die es mit anstößt, dass ich die Rahmenbedingungen kläre und auch die Ressourcen kläre und sage, okay, kriege ich da vielleicht nochmal eine Stunde zur Verfügung gestellt, in der sowas auch gemacht werden kann. Das finde ich ist tatsächlich wichtig, weil einfach nur on top das in meiner Freizeit irgendwie zu machen, das finde ich einfach eine wahnsinnig hohe Hürde, das hinzubekommen. Und das Zweite ist, finde ich, und die ist auch wichtig, dass ich mir schon auch so, wenn ich eine engagierte Lehrkraft bin, sage ich, ja, ich kann mir das vorstellen, in meiner Schule voranzutreiben und ich suche mir noch ein paar andere Kolleginnen und Kollegen.
Yvonne Oeffling:
[21:21] Dass man auch nochmal klarstellt, wie wird so ein Schutzkonzept denn dann wirksam? Also das bedeutet, nur weil sich die Arbeitsgruppe von drei KollegInnen, das sich ja überlegt hat, heißt es ja noch lange nicht, dass das dann für alle gilt. Also ich brauche auch die Rückendeckung und das ist eine Leitungsaufgabe an der Stelle. Ich brauche auch die Rückendeckung von Schulleitung zu sagen, ah ja klar, wir beauftragen euch jetzt auch damit, dass ihr diese Entwicklungsprozesse geht und dass ihr das macht. Und diese Rückendeckung finde ich total wichtig. Wir erleben das in der Praxis ganz häufig, dass zum Beispiel die total engagierte Schulsozialarbeiterin bei uns anruft und sagt, Mensch, ich würde gern mit meiner Schule, in der ich arbeite, ein Schutzkonzept entwickeln. Und oft sind die ja gar nicht direkt an der Schule angestellt, sondern bei einem externen Träger der Jugendhilfe. Und unsere Rückfrage ist immer zu sagen, aber wie könnt ihr denn sicherstellen, dass ihr in dieses System wirken könnt? Und das, finde ich, ist eine wichtige Frage, die man am Anfang klären muss, mit Schulleitung auch zusammen zu sagen, wir stellen unsere Expertise zur Verfügung, wir sind motiviert, hurra, wir laufen los. Aber welche Anker müssen wir setzen, damit das auch wirksam fürs System wird? Und das, finde ich, ist wichtig, dass man das auch am Anfang klärt, damit man da nicht total frustriert ist. Da hat man vielleicht sonst irgendwas Schönes ausgearbeitet und dann merkt man, das interessiert irgendwie keinen. Das wäre doof. Von dem her gleich klären.
Linda Sachs:
[22:48] Ja und apropos Schönes ausarbeiten, ist ja auch der Punkt, als es oft dann auch von den InitiatorInnen viele spannende und coole Ideen gibt. Und die Herausforderung ist ja genau, dass es eben nicht Copy und Paste entstehen kann. Es gibt viele Hilfestellungen und Tipps auf den Plattformen wie Schule gegen sexuelle Gewalt. Aber man muss eben immer die Rahmenbedingungen anschauen. Und da gibt es auch so ein paar Qualitätskriterien sozusagen, an denen man sich orientieren kann, damit so ein Schutzkonzept dann auch wirklich für die Praxis passt, weil es eben alltagsnah sein muss. Also es muss konkret umsetzbar sein und lieber kleinere Schritte zu gehen, anstatt sich das perfekte Schutzkonzept zusammenzuschreiben, was aber überhaupt nicht zum Alltag an der Schule irgendwie passt und auch möglichst konkret zu werden und sich eben zu überlegen, wie erreicht diese Information, das wissen die Haltungsfrage auch andere Mitarbeitende, wie erreicht es die SchülerInnen und auch die Lehrkräfte und man muss sich natürlich fundiertes Wissen aneignen, auf dem das Ganze aufbaut. Da werden wir auch nächsten Monat nochmal einen Blick drauf werfen, was da alles dazu zählt und eben partizivativ entwickelt. Und da muss man natürlich immer schauen, was ist der Rahmen. Man kann nicht zu jedem Baustein eine Komplettumfrage an der ganzen Schule zu machen, aber zu schauen,
Linda Sachs:
[23:59] Welche Perspektiven sind da für welchen Baustein besonders wichtig, wo kriegen wir da Informationen her und was gibt es aber vielleicht auch für unterschiedliche Gruppen an der Schule, die man erreichen muss, um da auch zum Beispiel mit Beschwerdemöglichkeiten auch wirklich alle zu erreichen und nicht nur die oberen Klassenstufen, von denen ja meistens Schülersprecherinnen zum Beispiel kommen. Und Räume auch für die Reflexion, die eigene zu schaffen. Würdest du noch was ergänzen?
Yvonne Oeffling:
[24:23] Ja, ich glaube, das sind so die wesentlichen Kriterien schon gewesen. Und ja, also wichtig finde ich wirklich nochmal so diesen, das ist ein ganz zentraler Punkt zu sagen, es ist nicht Copy-Paste. Und das Schutzkonzept der Grundschule XY kann ganz anders aussehen wie das Schutzkonzept des Gymnasiums AB und das ist richtig und wichtig und gut so. Und von dem her glaube ich, dass diese Frage von, was ist eigentlich für uns relevant, natürlich in der Orientierung von den Maßstäben, die es gibt, die sind ja auch nicht irgendwie aus der Luft gegriffen, eine ganz so wichtige ist.
Linda Sachs:
[24:58] Du hast es vorhin auch schon angesprochen, dass oft eine sehr große Hürde bei der Schutzkonzeptentwicklung an Schulen ist, dass der Berg riesig vorkommt. Nicht stemmbar, dass man vielleicht nicht so viele Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommt, mit denen man es umsetzen kann. Dass man das Gefühl hat, das ist eigentlich gar nicht schaffbar mit den Mitteln, die man hat. Dann hat man auch noch unterschiedliche AkteurInnen mit im Boot, mit denen man zusammenarbeiten muss, wie Schule Sozialarbeit, die einem anderen Träger angestellt ist. Vielleicht gibt es auch noch BusfahrerInnen, die man irgendwie einbeziehen muss oder andere Kräfte. Wie geht man mit diesem Gefühl eines nicht schaffbaren Berges um und wie kann so eine gute Zusammenarbeit dann auch gelingen? Hast du Tipps?
Yvonne Oeffling:
[25:39] Also ich glaube, der erste Schritt ist, in so einer Pizzatechnik zu denken. Also zu sagen, okay, so eine Riesenpizza, ich weiß gar nicht, ob ich die schaffe. Dann kann ich auch erst mal sagen, okay, ich gucke mir erst mal nur das erste Viertel an. Und dann denke ich über das zweite Viertel nach und dann über das dritte Viertel. Also es heißt, schon auch nochmal in so Etappen zu denken, ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt. Und auch noch mal eine Klarheit zu haben, dass der Prozess an sich schon ein wichtiger Schritt Richtung Schutzkonzept ist. Also dass es nicht unbedingt nur darum geht, dass ich meine To-Do-List an, Items abhaken kann, sondern dass, wenn ich das hinkriege und das finde ich in der Schule manchmal gar nicht so einfach, Diskussionsräume zu schaffen, wo man sich wirklich über eine Haltungsorientierung unter den Lehrkräften zum Beispiel mal unterhalten kann, wo man dann vielleicht auch ernsthaft mal diskutiert von, was finden wir denn alle in diesen Settings in Ordnung, dass das ein wahnsinnig wichtiger Schritt ist, und dann kann es sein, dass das halt auch, Bisschen länger dauert. Und ich glaube, damit ich vorher nicht frustriert bin, ist es auch wichtig, dass ich diesen Zeitkorridor auch nicht zu knapp hinbekomme. Unser Podcast hat ja sehr bewusst den Titel in einem Jahr zum Schutzkonzept, weil wir eben schon davon ausgehen zu sagen, Leute, das kriegt ihr halt nicht irgendwie mal kurz zwischen Weihnachten und zwischen Zeugnissen mal runtergeschrieben.
Yvonne Oeffling:
[27:02] Und diese Klarheit, finde ich, braucht es an der Stelle. Und dann macht es natürlich Sinn, sich zu überlegen, kriege ich eine multiplerofessionelle Zusammenarbeit hin, also zu sagen, von allen AkteurInnen, die du schon quasi genannt hast, dann kriege ich da vielleicht immer eine noch mit ins Boot, in meine Arbeitsgruppe, damit ich da gut am Start bin. Und dann würde ich mir den Verlauf angucken, wie arbeiten wir denn sonst halt so zusammen, wann sind unsere Lehrerkonferenzen, wann haben wir vielleicht irgendeine Treffen mit dem Elternbeirat, whatever, und da schon an diesen Etappen denken zu sagen, okay, was können wir denn konkret bis dahin schaffen, was wären denn die ersten Schritte, die wir da machen. Und ich finde immer, wie das ja so ist mit so Zielvorgaben, messbar wäre gut, erreichbar wäre gut, von dem her kleine, konkrete Schritte. Und wenn das nur ist, dass ich sage, okay, in der nächsten Lehrerkonferenz stellen wir uns als Team vor und präsentieren den Projektplan. Punkt. Und in der übernächsten sammeln wir die Fragestellungen, was sind besondere Sachen zum Thema Nähe und Distanz, die das ganze Kollegium betreffen und berühren. Also so ganz konkrete Schritte sind, glaube ich, wichtig.
Linda Sachs:
[28:13] Ich finde, du sagst ja auch immer sehr passend, es ist ein Marathon, kein Sprint, also sich darauf einzustellen, dass es mit einer mäßigten Geschwindigkeit startet, um das auch durchhalten zu können und da Schritt für Schritt das umzusetzen und an einigen Schulen wird es auch länger als ein Jahr dauern und auch das ist nicht schlimm. Jeder Schritt, den man geht, hat schon was bewirkt und da einfach ins Tun zu kommen. Da sind wir eh schon jetzt mittendrin. Wir starten jetzt diesen Prozess, ich an meiner Schule und ich frage dich, was sind jetzt wirklich die ersten Schritte, die ich gehe, um das wirklich jetzt ganz konkret einzugehen?
Yvonne Oeffling:
[28:50] Also die ersten Schritte ist wirklich erstmal Fans gewinnen. Also sucht euch Menschen, die auch sagen Hurra, ein Schutzkonzept für unsere Schule ist eine Bombenidee. Also ich brauche Fans, die mitmachen, konkret in der Arbeitsgruppe so und auch die Fans, die sagen cool, dass ihr das übernehmt. Also die brauchen wir auch. Das ist sozusagen, ich brauche nie nur Fans, die mitmachen, ich brauche auch Fans, die klatschen. Das ist auch wichtig. Das zweite ist wirklich so einen Überblick zu verschaffen, von was haben wir denn schon oder wo waren wir denn schon dran, gab es da schon Überlegungen, gibt es Regelungen, das einfach mal so diese Risikopotenzialanalyse wirklich zu machen und zu sagen, okay, wo genau stehen wir eigentlich, so eine Status Quo Bestimmung. Und dann ist, glaube ich, schon wichtig, wie ich eben schon gesagt habe, so ein Schutzkonzept als Schutzprozess, als Projekt zu denken, sich zu überlegen, okay, das ist jetzt also meine Arbeitsgruppe, was sind so unsere realistischen Etappenziele, wie sieht unser Projektplan aus, in welchen Abständen treffen wir uns vielleicht auch, wer macht was bis wann, also so ganz konkrete Dinge finde ich es wichtig, dann macht es Sinn, Transparenz zu schaffen und zwar.
Yvonne Oeffling:
[30:03] Ins Kollegium hinein, also dass die auch wissen, was ist unser Projektplan, wie gehen wir vor zu den Schülerinnen und Schülern, auch zu den Eltern hin, weil das ist zum einen natürlich wichtig, dass ich das nicht so über die Köpfe hinweg der Menschen mache, für die es auch wirken soll. Und zum anderen ist es natürlich auch für so eine Projektgruppe so ein Sicherheitsnetz, weil das ist ja immer so ein On Top nebenbei.
Yvonne Oeffling:
[30:26] Und wenn aber die anderen dann auch mal fragen können, wie weit seid ihr denn jetzt in eurem Prozess oder ihr habt da geschrieben, da ist irgendwie, wo ist denn das? Dann ist das ja auch manchmal so eine Unterstützungshilfe, die mir helfen kann, dass ich dann durchaus was tue. Weil gäbe es die letzte Minute nicht, würden manche Sachen niemals fertig werden. Und von dem her ist es ja auch manchmal gar nicht so schlecht, wenn ich so konkrete Deadlines sozusagen habe, die auch anderen bekannt sind und nicht nur meinem Hirn so verankert sind, damit ich da auch mit bereit bin. Und was ich immer, immer mitdenken würde, das finde ich ist total zentral, ist Wissensmanagement. Also wo legen wir die Sachen ab? Ich habe schon wirklich viele Prozesse an Schulen begleitet, wo ich schon die zweite, dritte Lehrkraft der Schule bei mir in der Beratung sitzen habe, wo ich weiß, da gab es Unterlagen vorher. Da war schon eine total engagierte Frau und ein engagierter Lehrer irgendwie am Start und hat da was entwickelt und die finden das Zeug nicht mehr. Und dann fangen die wieder bei null an. Das ist völlig irre. Das ist eine Ressourcenverschwendung ohne Ende. Und von dem her wirklich, wirklich wichtig, Wissensmanagement vorher gut überlegen.
Linda Sachs:
[31:36] Das wäre wirklich ärgerlich. Zum ersten Punkt nochmal, du hast gesagt, Fans gewinnen. Oft kommt ja auch, man geht das erste Mal auf die Lehrerkonferenz, dann gibt es halt doch die paar, die irgendwie blöde Kommentare machen, die keine Lust haben, Strukturen oder sich zu ändern. Das kann sehr verunsichern oder entmutigen. Hast du dafür noch Umgangstipps?
Yvonne Oeffling:
[31:54] Ja, also ich glaube, mein Umgangstipp ist mittlerweile schon, dass ich sage, also an so richtig krassen Widerständen würde ich mich nicht abarbeiten. Also da kann man sich gut beziehen zu sagen, Leute, wir haben ein Schulgesetz, Leute, wir haben eine Empfehlung von der KMK. Mag sein, dass das irgendwie vor 85 Jahren noch nicht so am Start war, aber jetzt ist das einfach state of the art. Schulen brauchen Schutzkonzepte, Punkt. Und wenn ihr keinen Bock habt mitzumachen, dann haltet wenigstens irgendwie, ich sage es jetzt mal sehr platt, ja, den Rand und stört den Prozess nicht. Und vielleicht kann ich dann auch mit solchen Widerständen durchs Tun einfach auch die überzeugen, dass das vielleicht doch was bringt. Aber also natürlich ist es so, dass es manche gibt, die eine Unsicherheit haben. Die kann ich gewinnen, indem ich den Nutzen ihnen aufzeige und das finde ich ist wichtig. Aber wenn es wirklich so eine ganz krasse Widerstandshaltung von, das macht man nicht und das haben wir schon immer so gemacht und das machen wir weiter so und was ihr mit eurem neumodischen Schmander.
Yvonne Oeffling:
[32:50] Haltungen mir entgegenprallen, dann glaube ich, würde ich mich daran nicht abarbeiten, weil das kostet so viel Energie und Kraft, diese Auseinandersetzungen zu führen, die am Ende des Tages, glaube ich, auch nicht für den Prozess gewinnbringend sind. Und solche Entscheidungen, glaube ich, muss ich immer wieder auch treffen in so einem Prozess, zu sagen, lohnt sich die Diskussion, weil sie eine Haltungsentwicklung bringt? Oder ist die Haltung so festgefahren, dass ich sagen muss, okay, dann baue ich meinen Garten um dich rum, also dann bleib du wie so ein Stein da stehen, machen wir, vielleicht kriegst du noch eine Luftballonschlange um dich rum, damit du, aber so, also das finde ich, muss man auch mal entscheiden.
Linda Sachs:
[33:30] Voll einfach ein bewusstes Umgehen mit den eigenen Ressourcen auch und oft lassen sich dann doch ja auch Menschen überzeugen, weil ja so Auseinandersetzungen auch eigene Handlungssicherheit gibt und ja nicht nur was für die Kinder bringt, sondern auch tatsächlich auch was für die Lehrkräfte und Mitarbeitenden, weil in der Regel haben alle Unsicherheiten mit bestimmten Situationen in besonderer Nähe mit bestimmten Situationen im Arbeitsalltag. Und darüber kann man dann doch einige gewinnen, aber eben nicht alle. Jetzt nochmal zum Abschluss in drei Worten die ersten drei Schritte.
Yvonne Oeffling:
[34:01] Ja, Team finden, Rahmenbedingungen aushalten und am besten irgendwie sicherstellen, dass mal so eine Fortbildung zu Basisinfos gemacht wird und alle Lehrkräfte so ein Basiswissen bekommen. Punkt.
Linda Sachs:
[34:15] Super, danke dir. Wir haben jetzt gehört, Schutzkonzepte sind extrem wichtig für Schulen, weil Schulen einfach ein Raum sind, an dem man alle Kinder erreichen kann, an dem wichtig ist, da Strukturen zu schaffen. Einerseits zur Prävention sexualisierter Gewalt in der Schule, aber auch eben darüber viele Punkte und Wissen auch an Schülerinnen vermittelt werden kann, weil die dort einfach alle erreichbar sind. Und das passiert eben Schritt für Schritt, dass ein Schutzkonzept bietet den Rahmen, in dem Maßnahmen verankert werden, aber Hauptsache anfangen und das Thema mal an der Schule setzen, Schritt für Schritt gehen und so ein Prozess braucht seine Zeit und sich davon nicht entmutigen lassen. Zum Abschluss noch für die Hörenden, was würdest du sagen, sind deine nochmal drei Praxistipps aus deiner Erfahrung, damit man da gut rein stottet?
Yvonne Oeffling:
[35:07] Also ich glaube, der ganz banale erste, die erste Empfehlung ist, fangt an. Jetzt ist die richtige Zeit, um euer Schutzkonzept an eurer Schule zu starten, weil dann ist wieder der Weihnachtsbasar und dann ist wieder, keine Ahnung, Forschungsparty und dann müssen wir Zwischenzeugnisse schreiben und dann haben wir einen Wechsel in das Kollegium. Also es gibt immer wieder Hürden, die so einen Prozess verlangsamen können, die dafür sorgen, dass es irgendwie nicht die richtige Zeit ist. Und deswegen finde ich, einen Startschuss zu machen, zu sagen, wir fangen jetzt einfach an, auch wenn wir vielleicht nicht im Moment die krass Riesenressourcen haben, um irgendwie uns drei Tage in Klausur zu stecken und wahnsinnig viel zu erreichen. Aber wir fangen jetzt mal an, ist einfach der wichtigste Tipp, weil sonst fängt man nicht an. Und der zweite ist tatsächlich nochmal, bei allen Maßnahmen, die man implementieren möchte und die man geht, sich zu überlegen, was soll das eigentlich bringen? Also warum machen wir das eigentlich? Das glaube ich muss so eine Projektgruppe verkaufen können und das müssen auch alle Lehrkräfte, alle Eltern, alle Schülerinnen und Schüler verstehen zu sagen, zu welchem Zweck passiert das eigentlich? Weil ansonsten ist es so eine wirklich Aneinanderreihung von wahllosen Empfehlungen, wo niemand so genau weiß, wieso.
Yvonne Oeffling:
[36:28] Und dieses Warum finde ich ist immer wichtig, total wichtig mitzudenken. Und der dritte Praxistext ist wirklich verschriftlichen, verschriftlichen, verschriftlichen und auch dann ja auch so im Sinne eines Wissensmanagements darauf einigen, wo ist es abgelegt, wie kann ich das einsehen. Zum einen, damit ich nicht immer permanent Sachen neu erfinden muss, die eigentlich schon fünfmal geregelt sind. Und zum anderen muss man ja auch sagen, wenn ich solche Standards etabliert habe, wenn ich sie besprochen habe, wenn ich sie diskutiert habe, sind sie ja auch eine Grundlage dafür, für Beschwerde, für eine, ja auch für eine Neuordnung zu sagen, Leute, ich glaube, da läuft was nicht so gut. Und es ist viel einfacher, wenn dann da steht, ey Leute, wir haben aber das so und so vereinbart und ich merke jetzt, das ist irgendwie anders. Es ist einfacher, das zu formulieren, als wenn ich das wieder nur mein Bauchgefühl ist, das vielleicht sagt, ich finde es nicht so ganz okay. Also jetzt anfangen. Warum? Was bringt es eigentlich? Und verschriftlichen. Das sind meine drei Praxistipps.
Linda Sachs:
[37:33] Vielen Dank. Ich glaube, damit sind wir auch am Ende für heute. Vielen Dank, dass ihr alle zugehört habt. Ihr seid damit heute schon den ersten Schritt im Prinzip gegangen, habt euch eine Basis erarbeitet. Nächsten Monat, wieder am 15. kommt die nächste Folge. Da schauen wir uns an, welches Wissen es braucht, um wirksame Schutzkonzepte entwickeln zu können und welche Basis man sich dafür schaffen muss. Danach folgen die einzelnen Bausteine. Wir freuen uns, wenn ihr dranbleibt. Alles Gute und bis bald.
Yvonne Oeffling:
[38:01] Tschüss.
Linda Sachs:
[0:04] Vielen Dank an alle, die bis hierhin zugehört haben und sich auf den Weg machen, Prävention an ihrer Schule voranzutreiben.
Yvonne Oeffling:
[0:10] Wenn es euch gefallen hat, dann abonniert uns gerne, lasst uns eine Bewertung da und schreibt uns euer Feedback direkt an projekte@amya.de. Infos und Links findet ihr in den Shownotes oder auf unserer Homepage www.amyna.de.
Linda Sachs:
[0:25] Das war Prävention konkret, der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von Amyna e.V.
Trailer Staffel 1
Transkript lesen
Yvonne Oeffling:
[0:06] Erstmal Fans gewinnen. Also sucht euch Menschen, die auch sagen: Hurra, ein Schutzkonzept für unsere Schule ist eine Bombenidee. Jetzt ist die richtige Zeit, um euer Schutzkonzept an eurer Schule zu starten.
Yvonne Oeffling:
[0:24] Hallo und herzlich willkommen bei Prävention Konkret, der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von Amyna e.V. Mein Name ist Yvonne Oeffling und ich hoste den Podcast zusammen mit meiner Kollegin Linda Sachs.
Linda Sachs:
[0:40] Unter dem Titel Schutzkonzepte machen Schule in einem Jahr zum Schutzkonzept geht es in der ersten Staffel konkret um die Frage, wie gelingt Prävention sexualisierter Gewalt in der Schule. Wir begleiten euch dabei ein Jahr lang auf eurem Weg zum Schutzkonzept und greifen Folge für Folge einzelne Bausteine auf.
Yvonne Oeffling:
[0:58] Wir diskutieren spezifische Herausforderungen und vermitteln fundiertes Basiswissen. Und wir bauen mit unseren Empfehlungen und Tipps für euch eine Brücke, damit theoretische Empfehlungen in eurer Praxis umgesetzt und verankert werden können.
Linda Sachs:
[1:13] Vielen Dank fürs Einschalten und viel Spaß bei Prävention konkret.
Die Gastgeberinnen


